Gülleüberschuss

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Wasserwerker sind alarmiert. In vielen Regionen gibt es mehr Mastvieh als Ackerfläche, die die anfallende Gülle aufnehmen kann. Wohin mit dem Überschuss? Güllebörsen vermitteln den Transport in entfernte Regionen. Die überhöhten Nitratwerte im Grundwasser lassen vermuten, dass aus der Not eine Tugend gemacht wird: Überdüngung der Böden.

 

 

Die Auswertungen der Messstationen des Grundwassers vom Niederrhein über das Münsterland nach Niedersachsen bis hin nach Mecklenburg Vorpommern weisen erschreckende Zahlen auf. Wie lange soll das noch gut gehen? Grundwasser mit zu hohen Nitratwerten muß mit noch unbelastetem Wasser aus tieferen Brunnen auf Trinkwasserqualität gemischt werden. Es entstehen Kosten, die letztendlich der Verbraucher zahlt.

 

Die aufwendigen Maßnahmen sind erforderlich, um das Nitrat in mg/Liter Trinkwasser auf einen für die Gesundheit unbedenklichen Wert zu senken. Steht doch das aus dem Nitrat im Körperstoffwechsel gebildete Nitrosamin im Verdacht krebserregend zu sein. Diejenigen, die am Geschäft mit Fleischproduktion und Gülleentsorgung profitieren, stellen den Verdacht der Wissenschaft regelmäßig in Frage. Und dann gibt es noch die Landwirte in entfernteren Regionen, die den äußerst preiswerten „Wirtschaftsdünger“ Gülle sehr gerne abnehmen.

 

Knapp 11 Millionen Schweine leben alleine in Niedersachsen, 2,6 Millionen Rinder und mehr als hundert Millionen Puten und Hühner. Geboren, gemästet, geschlachtet. Und obwohl die Tiere nicht lange leben, hinterlassen sie etwa 200 Milliarden Kilo Gülle.

 

Gülleeinsatz als Dünger gehört in der Landwirtschaft zu einer jahrhunderte alten Tradition. Die kleinbäuerliche Kreislaufwirtschaft von gestern war völlig unproblematisch für Natur und Umwelt. Erst die Profitgier der industriellen Landwirtschaft ließ mit dem Wachstum der Mastställe und ihrem Millionenheer an Tieren das heutige Ungleichgewicht entstehen. Die Tiere und damit ihre Fäkalien wurden mehr, aber die Ackerfläche bleibt konstant. Nun wird überdüngt, Nitrate sickern ins Grundwasser, gelangen in Flüsse, Seen und Meere. Ein Umweltdesaster.

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Die  EU Nitratrichtlinie  von 1991 hat eine Grenze gesetzt. Nicht mehr als 50 mg/Liter Nitrat darf im Grundwasser sein. Doch seit Jahren hat die deutsche Politik die Mahnungen aus Brüssel ignoriert. Man spricht von „staatlich geduldeter Brunnenvergiftung“. Zu groß ist die Lobby des Deutschen Bauernverbands und der Agrarindustrie. Die Nitratwerte sind zuweilen um das Fünffache erhöht. Nun hat die EU Deutschland verklagt. Dürfen wir hoffen? Schwer zu glauben durch unsere Erfahrung mit faulen politischen Kompromissen. Die Zeit des stinkenden Gülletourismus hält an. Verlierer am profitablen Geschäft der industriellen Landwirtschaft sind die Bürger, die Tiere und die Umwelt.