Trinkwasser


© HermannsDas Umweltbundesamt lobt das deutsche Trinkwasser, doch die EU moniert seit Jahren hohe Nitratwerte. Trügt die gute Benotung?

 

Das Umweltbundesamt hat im Frühjahr die Note „sehr gut“ für unser Trinkwasser vergeben. Es ist zu vermuten, dass dies der aufwendigen Arbeit der Wasserwerker zu verdanken ist. Sie schaffen es vor allem in sehr nitratbelasteten Regionen die Trinkwasserqualität unter 50 mg/Liter Nitrat zu halten. Über Gülle und Kunstdünger, intensive Viehwirtschaft und den zunehmenden Anbau von Mais gelangt Nitrat ins Grundwasser – und das teilweise in hoher Konzentration. In einigen Regionen Deutschlands sind die Nitratwerte so hoch, dass Wasserversorger es mit unbelastetem Wasser verdünnen müssen.

 

 

 

Vom Gesetzgeber erwartet man schon seit Jahren eine rigorose Gesetzgebung, die diese Umweltbelastung verhindert. Nun hat das Bundesagrarministerium eine Novelle der Düngeverordnung vorgelegt, um die Nitratbelastung langfristig zu reduzieren –Brüssel macht mit der Klage vor dem EuGH Druck. Schon seit 2013 läuft nämlich bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik, eingeleitet von der EU-Kommission wegen zu hoher Nitratwerte. Aus Sicht der Kommission setzt Deutschland die in der EU Nitratrichtlinie von 1991 geregelten Vorgaben noch immer nicht ausreichend um.

 

Nitrat ist in hoher Konzentration vor allem für Babys unter einem halben Jahr gefährlich, weil es den Sauerstofftransport im Blut behindert. Das im Körperstoffwechsel aus Nitrat gebildete Nitrosamin steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Nitrat-Richtlinie der EU hat deshalb einen maximal zulässigen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser festgelegt. Ab einer Nitratbelastung von 25 Milligramm pro Liter fordert die Richtlinie ein Gegensteuern, damit der Wert nicht noch weitersteigt. In Deutschland ist dies erst ab einer Konzentration von 40 Milligramm pro Liter nötig, auch nach der vom Agrarminister vorgelegten Gesetzesnovelle.

 

Dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zufolge ist fast die Hälfte des deutschen Grundwassers mit 25 Milligramm oder mehr Nitrat pro Liter belastet. Verbraucher spüren das vor allem im Geldbeutel: Müssen Wasserbetriebe nitrathaltiges Wasser aufbereiten, kann sich der technische Mehraufwand im Preis niederschlagen. Besonders belastet ist das Grundwasser vom Münsterland über Niedersachsen, Schleswig Holstein bis hin nach Mecklenburg Vorpommern. Dort stehen die z. T. riesigen Massentierställe. In deren Gülle steckt das Nitrat. Der BDEW fordert deshalb, angelehnt an die Energiewende, eine „Agrarwende“: weniger Düngemittel auf den Feldern, mehr Subventionen für ökologische Landwirtschaft, . „Es kann nicht sein, dass die Gesundheit der Bevölkerung zugunsten einer landwirtschaftlichen Regelung gefährdet wird“, sagt BDEW-Vizepräsident Jörg Simon.

 

Handlungsbedarf sieht auch der Deutsche Bauernverband (DBV). Er plädiert jedoch für eine „bedarfsgerechte Düngung“, die Landwirte und Wasserbetriebe für den Einzelfall in Kooperation erarbeiten. „Wir haben aufGrundwasser einem Hektar Land schon so unterschiedliche Verhältnisse“, sagt DBV-Sprecher Michael Lohse. „Da kann man die Düngung doch nicht pauschal von Brüssel aus regeln.“ Für die Bauern sei Stickstoff „bares Geld“, so Lohse.
Wir meinen, dass der Bauernverband die Tatbestände im eigenen Interesse weiterhin kleinredet. Wann wird man dort endlich bereit sein, aktiv und sofort Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen?

 

 

Nun wird sich zeigen, ob durch die EU Klage die Novelle des Düngerechts überarbeitet werden muss.

 

Ganz im Widerspruch zu obigem Inhalt steht eine Pressemitteilung vom Bundesumweltamt vom 09. Juni 2017