Leserbrief Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau

einfach nur Mist!

Am 28.11.2016 wurde ein Leserbrief von Herbert Netter  -Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau-  in der hiesigen Lokalpresse veröffentlicht. Der Titel „Zurück zum gesunden Menschenverstand“. Diesen Leserbrief, der sich auf das geplante offene Güllebecken bei Grafschaft-Gelsdorf bezieht, kommentiert die Bürgerinitiative Gülle-Stopp.

 

 

Netter:

„Da diskutieren seit Monaten erwachsene Menschen über ein Güllelager mit einem Fassungsvermögen von 5.500 Kubikmetern. Das ist gerade einmal die Größenordnung, die beispielsweise ein moderner landwirtschaftlicher Milchviehbetrieb mit 200 bis 300 Kühen inklusive Nachzucht -auf ein ganzes Jahr berechnet- benötigt. Ein Grafschafter Landwirt möchte mit organischen Düngemitteln den Humusgehalt und somit die Fruchtbarkeit und die Qualität seiner Böden verbessern“.

 

Gülle von Kühen und Schweinen macht in Qualität und Gestank einen sehr großen Unterschied. Für das Güllebecken ist höchstwahrscheinlich der Zufluß von Schweinegülle geplant. Große Mastbetriebe, egal ob in Holland oder Deutschland, sind vor allem während der Sperrfrist froh, wenn sie für ihre Fäkalienmasse Abnehmer finden und zahlen bereitwillig Vergütungen obendrauf. Den Humusgehalt der Böden wird man nur wenig mit Schweinegülle (90-95% Wasser) verbessern können. Zudem sollte das Entsorgungsproblem in anderen Regionen nicht zu unseren Lasten schöngeredet werden mit dem Hinweis auf Verbesserung der Böden. In Zeiten vor der Gülleschwemme war es doch ebenfalls „Gute fachliche Praxis-Pflicht“ den Humusgehalt der Böden zu erhalten bzw. zu verbessern. Dem einen Grafschafter Landwirt kann man durchaus abnehmen, dass er an der Qualität der Böden interessiert ist. Nur -die Methode bringt das Fass zum Überlaufen. Der „gesunde Menschenverstand“ der Bevölkerung akzeptiert nicht mehr eine fehlgeleitete Entwicklung in der Landwirtschaft.

 

Netter:

„Darüber hinaus wird der Kreislaufwirtschaft Rechnung getragen, weil Gülle ein Naturprodukt ist und kein Abfall, wie dies in der allgemeinen Diskussion unterstellt wird. Das jetzt eine kommunale Partei ein Gülleverbot auf den Flächen der Gemeinde fordert, schlägt dem Fass den Boden aus“.

 

Die Klage der EU Kommission gegen Deutschland richtet sich nicht gegen die Hinterlassenschaften von Vieh einer jahrhunderte alten kleinbäuerlichen Kreislaufwirtschaft. Dort war die Bilanz von eingefahrener Feldfrucht und Düngung ausgeglichen. Nun bedient sich wieder einmal ein Vertreter eines Bauernverbands des Märchens von einer Kreislaufwirtschaft mit einem „Naturprodukt“. Der Großmäster als „Zauberlehrling“ wird die Geister (Gülle), die er rief, nicht mehr los. Die Brühe überschwemmt sein Haus. Das „Naturprodukt“ ist zu Sondermüll degeneriert! Wissen Sie was Herr Netter, Sie schaden mit diesem dummen Geschwätz der Landwirtschaft mehr, als Ihnen lieb sein kann.

In Südamerika werden Urwälder durch Soyaanbau ersetzt. Die riesigen Mastställe in Europa, vor allem in Norddeutschland, liegen aus transporteffizienten Gründen in der Region von Häfen. Ein „Kreislauf“ besteht lediglich durch das Exportgeschäft. Soya gegen Fleisch und die Sch ……..  bleibt hier. Algenpest in der Ostsee -nachgewiesenermaßen durch Nitrat. Vielleicht wird irgendwann im Sinne von Kreislauf diese Pest an Südamerikas Küsten angeschwemmt?

Unsere kommunalen Parteien sind sich ihrer Verantwortung bewusst geworden und wollen handeln. Nein, dem Fass wird nicht der Boden ausgeschlagen. Nochmals, Sie als Verbandsvertreter, ebenso wie Ihr Kollege Franz Josef Schäfer, bringen durch landwirtschaftgenehmes Verschweigen von Tatsachen das Fass zum Überlaufen.

Würde Umweltministerin Hendricks ihre Kabinettvorlage zu Änderungen im §35 Baugesetz erfolgreich durchsetzen, wäre ein Bauantrag zum Fäkalienbecken nicht mehr genehmigungsfähig.

 

Netter:

„Nicht nur dass man damit den „Vollblut-Bedenkenträgern“ in der Grafschaft den Rücken stärkt, würde eine Gemeinde mit solch einer Entscheidung Bodenverbesserungsmaßnahmen ihrer Flächen auf Jahre hinaus verhindern. Das Becken wird eingezäunt und eine Schwimmschicht verhindert Gerüche. Dies zeigt, dass den öffentlichen Belangen Rechnung getragen wird“.

 

Sehr wohl Herr Netter, wir sind selbstbewusste „Vollblut-Bedenkenträger“, eine immer stärker wachsende Kraft gegen eine maßlos agierende Landwirtschaft. Danke -der Titel ehrt uns. Die eindeutigen Warnungen aus den Fachkreisen sind die Leuchttürme, die uns den Weg weisen.

 

Netter:

„Den Raum, den die Diskussion um dieses Güllebecken einnimmt, zeigt weiter, dass die Verhältnismäßigkeiten nicht mehr stimmen. Es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. In der Grafschaft scheint Hysterie und Rechthaberei zu regieren“.

 

Ganz recht, die Verhältnismäßigkeiten stimmen nicht mehr, da die „Gute fachliche Praxis“ inzwischen nicht mehr hält, was ihr Name verspricht. Im eigenen Interesse denkt man in der Landwirtschaft oft nur noch so weit, wie „eine dicke Sau springen kann“.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hält in seinem Gutachten vom 10. Mai 2016 „Impulse für eine integrative Umweltpolitik“ unter 1.4.3 Biodiversität und Landwirtschaft den Bauern einen Spiegel vor.

In Absatz 67 nimmt man Stellung zur „Guten fachlichen Praxis“. Dort heißt es wörtlich:
„Seit langem schon wird gefordert, die „gute fachliche Praxis“ für die Landwirtschaft so auszugestalten, dass anspruchsvolle, konkrete und durchsetzbare Anforderungen, zum Beispiel im Hinblick auf die landwirtschaftliche Bodennutzung, geschaffen werden müssen. Vielfach seien die Landwirte bisher von umweltrechtlichen Regelungen ausgenommen, ohne dass gleichwertige fachrechtliche Regelungen bestehen“.

Herr Netter, die Fahne der „Guten fachlichen Praxis“ degeneriert zum Feigenblatt für die Landwirtschaft.

Den Vorwurf von Hysterie und Rechthaberei lassen wir an uns abprallen. Hysterie ist die Abwesenheit von Besonnenheit und Augenmaß und genau darauf basiert unsere Kritik und Forderung. Ja, wir sind unbequem, wenn wir in das landwirtschaftliche Wespennest stechen. Ihr unqualifizierter Leserbrief bringt es zum Ausdruck.

 

Netter:

„Der Einsatz organischer Düngemittel gehört zur guten landwirtschaftlichen Praxis. Die Anlage wurde auf gesetzlicher Grundlage behördlich genehmigt. Ich würde mich sehr freuen, wenn endlich wieder der gesunde Menschenverstand Einzug in die Diskussion halten würde“. gez. Herbert Netter, Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, Referent für Pflanzliche Produktion

 

Wir vermissen den „gesunden Menschenverstand“ der Landwirte.
Ein guter Dialog kann auf dieser Grundlage nicht stattfinden.
Immunisiert gegen jede Art von Kritik zeigt sich hier, wie sehr der Begriff „Gutsherrenart“ aus früheren Zeiten überlebt hat.
Wir bleiben weiterhin unbequem, auch in einem ehrlichen Dialog, falls Sie dazu bereit sind!

Ulrich Hermanns

 

 

Peter Schmidt aus Gelsdorf schrieb am 10.12.2016 im General Anzeiger:

Nicht hysterisch und rechthaberisch!

Als Grafschafter werden wir der Hysterie und Rechthaberei bezichtigt.Wir können sehr wohl einschätzen was nachhaltige Bewirtschaftung von Ackerböden bedeutet.

Die Mehrheit  der Grafschafter Bevölkerung hat Wurzeln in ihren Vorfahren, diese waren weit bis ins 20. Jahrhundert in der Landwirtschaft tätig.

Herr Herbert Netter vom Bauern- und Winzerverband, Rheinland-Nassau nennt die Gegner des Güllebeckens „Vollblut-Bedenkenträger“. Das ist arrogant und überheblich. Er zeigt kein Verständnis für die Sorgen in der Bevölkerung und schließt mit dem Hinweis auf die „gute fachliche Praxis“ ein bedenkliches Verhalten in der Landwirtschaft aus.

Der Verband hält die Bearbeitung der Böden mit organischen Düngemitteln, also dem Naturprodukt Gülle, zur Sicherung der Fruchtbarkeit als unverzichtbar.

Jedoch zählen zu den negativen Auswirkungen bei der Gülleausbringung, Bodenverdichtung auf Frühjahrsgetreideflächen, Immissionsbelastung, ineffiziente Verteilung und erhöhte Nitratbelastung des Grundwassers.

Selbst in Landwirtschaftlichen Fachkreisen wird die Gülledüngung mit ihren weiten Transportwegen als unwirtschaftlich eingestuft.

Dem Bauern- und Winzerverband, sei zu empfehlen, die hier ansässigen landwirtschaftlichen Ackerbaubetriebe dazu anzuhalten, ihre Arbeitsweisen mit den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Verbraucher in Einklang zu bringen.