Nitratbericht 2016

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Foto: Gülle-Stopp

Am 03.01.2017 stellt das Bundesumweltministerium den Nitratbericht 2016 vor. Die Grundwasserqualität hat sich demnach nur minimal verbessert. Ein Grund mehr, die Klage der EU Kommission zu begrüßen. 28 Prozent aller gemessenen Werte liegen über dem erlaubten Wert von 50 mg/Liter Nitrat im Grundwasser.

 

 

 

 

Vielerorts kommt immer noch zu viel Gülle auf die Felder. Besonders betroffen mit überhöhten Nitratwerten finden sich vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber auch im Norden Sachsen-Anhalts und Sachsens und in Teilen Nordrhein-Westfalens, eben dort, wo eine intensive Tierhaltung zu einem Gülleüberschuss führt.

Laut Bericht im WDR sagt Friedrich Ostendorff, Bio-Bauer und Abgeordneter der Grünen im Bundestag: „Die betroffenen Kommunen müssten massiv Aktivkohle einsetzen, was die Trinkwasserproduktion der Wasserwerke verteuere. Letztlich müsse der Steuerzahler als Wasserkunde dafür zahlen, dass hier eine völlig verfehlte agrarische Entwicklung gelaufen sei“, so Ostendorff.

Dringend geboten sei eine Verschärfung des Düngegesetzes und der Düngeverordnung, was bislang am Widerstand des Deutschen Bauernverbands gescheitert sei. Schon am 07.11.2016 zitierte der WDR den SPD Bundestagsabgeordneten und Agrarpolitiker Dr. W. Priesmeier, der vor den Folgen eines Urteilsspruchs des EuGH für Deutschland warnt. In der Diskussion stehe unter anderem eine Geldstrafe von bis zu drei Milliarden Euro, die zur Zeit das beklagte Frankreich zu erwarten habe. Bei einer Verurteilung dürfte auf Deutschland Ähnliches zukommen.

Und weiter heißt es im WDR:
Aber eine Geldstrafe wäre noch das geringste Problem, so Priesmeier. „In dem Urteilsspruch wären letztendlich Dinge enthalten, die wir dann unmittelbar und sofort in Gesetzesform umzusetzen hätten. Das würde natürlich auch den Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers erheblich einschränken“, sagt er. Konkret, so Priesmeier, könne das im Extremfall bedeuten, dass Gerichte in besonders nitratbelasteten Gebieten die Landwirtschaft völlig verbieten.

Am 16. Januar 2017 ist zum neuen Düngegesetz zunächst eine Anhörung des Agrarausschusses angesetzt. Am 19. Januar soll dann der Bundestag über die Änderung des Düngegesetzes beschließen.

ZEIT ONLINE schreibt zum Nitratbericht: Zu viel Gülle

Hier der Link zur heutigen Veröffentlichung des Bundesumweltministeriums und zum Download des Nitratbericht 2016

 

Lesen sie auch hierzu den ersten Nationalen Stickstoffbericht der Bundesregierung vom 31. Mai 2017

 

Fakten

Das Nitrat-Ion ist eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff das eine Verbindung mit einem organischen oder anorganischen Rest bildet. Man spricht dann von einem Salz.

 

Grundwasser mit einem zu hohen Nitratgehalt muss unter hohem Aufwand und Kosten zu verträglichem Trinkwasser bearbeitet werden. Nitrat kann im Körper zu Nitrit umgewandelt werden und vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen zu lebensgefährlichem Sauerstoffmangel führen.

 

Nitrosamin, das sich wiederum aus Nitrit bildet, steht im Verdacht krebserregend zu sein.

 

Mehr zu Nitrat lesen Sie hier .

 

Das Gemeinwohl ist in Gefahr, wenn nicht durch schärfere Gesetze gegengesteuert wird.

Die parlamentarische Beratung zum neuen Düngegesetz und der Düngeverordnung soll nun möglichst im ersten Quartal 2017 abgeschlossen sein.

 

Die Klage der EU Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist zunächst eine sogenannte Feststellungsklage. Die EU Kommission will damit erreichen, dass ihr vom EuGH bestätigt wird, dass Deutschland gegen die EU-Nitratrichtlinie von 1991 verstösst.

Sollte der EuGH zustimmen und die Bundesregierung weiterhin untätig bleibt, so könnte mit einer zweiten Klage ein Urteilsspruch folgen, der möglicherweise eine Milliardenstrafe zur Folge hat.