Pflanzenschutz

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind zuständig für Prüfung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel sind im jährlich erscheinenden Pflanzenschutzmittel-Verzeichnis des BVL aufgelistet.

 

 

 

Drei der bekanntesten Gruppen der in der Landwirtschaft verwendeten PSM sind folgende:

  • Herbizide,   UnkrautbekämpfungInsektizide,
  • Insektizide, Vertreibung oder Hemmung von Insekten
  • Fungizide,    töten Pilze oder ihre Sporen ab

 

Der Begriff Biozide unterscheidet sich von den PSM dadurch, dass diese Mittel normalerweise nicht in der Landwirtschaft verwendet werden.

 

© Shutterstock_275748941Landwirte benötigen einen bundeseinheitlichen Sachkundenachweis (SKN), der sie berechtigt, PSM zu erwerben und anzuwenden. Der Nachweis ist je nach Bundesland unterschiedlich lange gültig. Einige Bundesländer schreiben feste Fortbildungszeiträume vor: Erster Zeitraum: 2013-2015, zweiter Zeitraum 2016-2018 usw. Andere Bundesländer haben die Regelung, dass sich mit jeder Teilnahme an einer Fortbildungsmaßnahme die Drei-Jahresfrist aufs Neue verlängert.

 

Laut der öffentlich zugänglichen Datenblätter des BVL zu den 1.477 in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel (PSM) werden alleine:
581 als gesundheitsschädlich bezeichnet
200 von diesen PSM sind gesundheitsschädlich beim Einatmen
115 können das Kind im Mutterleib schädigen
302 können ernsthafte Augenschäden hervorrufen
031 können beim Eindringen in die Atmungsorgane tödlich sein
017 können Organe schädigen
104 sind wahrscheinlich krebserregend
031 können beim einatmen tödlich sein
359 können Allergien auslösen
011 lösen Allergien aus
077 enthalten den krebserregenden Stoff Formaldehyd
062 können beim Verschlucken Lungenschäden verursachen
019 können die Fortpflanzungsfähigkeit einschränken
003 können das Kind über die Muttermilch schädigen
006 enthalten Arsen (hochgiftig)
003 enthalten Quecksilber (hochgiftig)
001 wird als erbgutverändernd bezeichnet.

 

Außerdem geht auch von den behandelten Flächen eine Gefährdung für die Menschen aus. Ist doch den Datenblättern zu entnehmen, dass man bei der Aufbringung von 610 dieser PSM die Fläche erst nach dem Abtrocknen wieder betreten darf und bei 157 dieser PSM darf die behandelte Fläche sogar nach 48 Stunden nur mit Schutzkleidung betreten werden. Da ist doch wohl dringend der Sachverhalt zu klären, warum die zuständigen Behörden die Landwirte nicht zur Aufstellung von Warnschildern verpflichten?

 

Bei diesen Aussagen handelt es sich zunächst einmal nur um direkte Gesundheitsgefährdungen. Leider muss man davon ausgehen, dass auch indirekte Gefährdungen von den PSM ausgehen, da  z.B. 1.289 von ihnen dauerhafte Schäden im Wasser verursachen und schon jetzt in vielen Grundgewässern hohe Rückstandsmengen von PSM gefunden werden.

Gravierend sind schon jetzt die Folgen des stetig steigenden Einsatzes von PSM. 80% der Insekten in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten sind verschwunden. Und da damit vielen Vogel- und Kleinsäuger- und Amphibienarten die Nahrung entzogen wird, sind auch viele dieser Arten vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben. Autofahrer können schon seit Jahren im Sommer den Rückgang von Insekten auf der Windschutzscheibe feststellen.

 

 

Bereits 2010 wurde von der Bundesregierung mit großem „Getöse“ die Dekade der Biodiversität ausgerufen. Doch leider ist außer Hochglanzbroschüren keine Veränderung zu bemerken. Allein von 2010-2015 hat der Einsatz von PSM um 21,3%  (s.a. Umweltbundesamt, UBA) zugenommen und das, obwohl allein von 2014-2015 die landwirtschaftliche Fläche um 192.000 ha (s.a. statistisches Bundesamt) abgenommen hat. Da durch diesen Einsatz vor allem Bestäuberinsekten bedroht sind, muss gleichzeitig davon ausgegangen werden, dass auch die Ernährungssicherheit bedroht ist und somit dringender Handlungsbedarf besteht.

 

Besonders erschreckend ist dabei die Tatsache, dass all diese Aussagen jeweils nur für eines dieser PSM gelten. Da aber davon auszugehen ist, dass auf jede Kultur mehrere verschiedene PSM, meist in Kombination, und zusätzlich Kunstdünger oder/und Gülle aufgebracht werden, sind chemische Reaktionen zu erwarten, die zu zusätzlichen Gesundheitsgefährdungen führen.

 

Wie einer Studie des Landes Brandenburg zu entnehmen ist, muss man bei der Aufbringung der PSM außerdem von einer Abdrift von 10 km und mehr ausgehen. Was das für Menschen in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten bedeutet ist leicht vorstellbar. Auch eine Dissertation zur Abdrift von PSM im Weinanbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer zeigte sich deutlich, dass sich alle 27 untersuchten PSM in den Luftmessungen wiederfanden. Machen wir uns nichts vor, diese Abdrift belastet selbverständlich auch einen angrenzenden Bio-Landbau.

All das scheint den zuständigen Behörden und auch der Bundes- und den Landesregierungen durchaus bewußt zu sein oder warum wurden bereits 2003 die Rückstandsmessungen für PSM von Bund und Ländern eingestellt (s.a. Studie des Landes Brandenburg)?

Wir gehen davon aus, dass die im Internet zu findenen Datenblätter auf den Aussagen der Hersteller beruhen und dass das BVL nur für die Veröffentlichung zuständig ist? Sollte es so sein, dann ist äußerst fraglich, ob von Seiten des Bundesamtes überhaupt eine Kontrolle vorgenommen wurde? Oder wie ist es zu verstehen, dass gerade große Konzerne wie z.B. Monsanto in ihren Texten gravierende Aussagen zu den Gesundheitsgefährdungen machen, die PSM aber insgesamt nicht als gesundheitsgefährdend bezeichnet werden? Was ja gleichzeitig bedeutet, dass auf der Verpackung nicht, wie von der EU eigentlich vorgegeben, das Gefahrenpiktogramm deutlich sichtbar aufgebracht werden muss? Hier ist dringend zu klären, ob so die behördliche Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Menschnen in Deutschland nicht der Leichtsinnigkeit  von Konzernen geopfert wird?

 

Obige Ausführungen sind entnommen aus einer Fachaufsichtsbeschwerde vom 16.10.2016 unserer Mitstreiter im Münsterland http://www.fuermenschundvieh.de die wir gerne mitunterzeichnet haben. Von dort wurden uns einige sehr lesenswerte PDF Dateien zum Pestizideinsatz zur Verfügung gestellt Pestizideinsatz-mit-Fotos. und weiter ein Leserbrief vom gleichen Autor Gülle und Chemie in der Landwirtschaft  und   Grundsätze im Pflanzenschutz  und  Umweltschäden durch landwirtschaftlich Aktivitäten 2016

 

LINKS:

Täglich gelangen Chemikalien in die Umwelt. Doch kaum eine Stoffgrupppe wird so gezielt und in so großen Mengen ausgebracht wie Pflanzenschutzmittel. Das Umweltbundesamt klärt auf.

Weitere Auskünfte gibt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit .

Zum Zulassungsverfahren gibt das Bundeslandwirtschaftsministerium Auskünfte.

Kritisch äussert sich der BUND und gibt sehr viele Hinweise wie Pestizide die biologische Vielfalt gefährden .

Greenpeace verweist auf die Gefahren für Verbraucher unter dem Titel „Pestizide machen krank“

 

Pflanzenschutz im Ökolandbau:

Julius-Kuehn-Institut und Julius-Kuehn-Institut – Biologischer Pflanzenschutz

Oekolandbau

F.R.A.N.Z. – Projekt-fuer-Ressourcen