Gülle – Gold der Bauern oder Umweltdesaster?

eingetragen in: Agrar, Politik, Umweltverbände, Wasser | 0

© Fotolia

Unter der Senderreihe „DokThema“ sendete der Bayerische Rundfunk einen sehr objektiven und sachlichen Beitrag zur Diskussion um die Umweltbelastung durch Gülle als Folge aus der Massentierhaltung. Der Titel der Sendung lautet: Gülle – Gold der Bauern oder Umweltdesaster? und kann in der ARD Mediathek aufgerufen werden.
Die Bürgerinitiative GÜLLE-STOPP hatte Gelegenheit zu Stellungnahmen in diesem Bericht.

 

Eines der großen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit sei die Über-Düngung der Felder durch Gülle mit der Folge von steigender Nitratbelastung des Grundwassers. Konfrontiert mit Warnungen aus der Wasserwirtschaft und BUND, reagierten Vertreter der Landwirtschaft eher ratlos und erweckten beim Zuschauer den Eindruck, die Problematik eher zu verdrängen statt einer Agrarwende zu mehr ökologischer Landwirtschaft zuzustimmen.

 

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen im Bericht:

Gülle

  • Sei besserer Dünger als Mineraldünger
  • Ausbau der Massentierhaltung auch in Bayern mit nachfolgendem höheren Gülleaufkommen
    Es sei in diesem Zusammenhang auf einen anderen Bericht des BR (3 Min. Dauer) hingewiesen, der die katastrophale Folge in Bayern zeigt, wenn Bauern notgedrungen die Sperrfrist umgehen:
    Wohin mit der Gülle – Sperrfristen im Winter
  • LKW-Ladung Gülle hat einen Wert von ca. 400 € nach Aussage eines Gülleunternehmers in Borken
  • Zusammensetzung:
    • 90-95 % Wasser
    • 1-8 % Phosphor
    • 4 % Ammoniak Stickstoff (Gestank + Gefährdung Gesundheit + Feinstaubbildung)
    • 6-7 % Stickstoff in anderer Form chemisch gebunden
  • 310 Mrd. Liter werden in Deutschland ausgebracht
  • Dazu ca. 1,4 Mrd. Liter Gülle aus Holland (meistens illegal)
  • Boden vorher aufschlitzen – dann fast geruchslos
  • Einarbeitung spätestens nach 4 Stunden auf unbestelltem Ackerland
    (Negativbeispiel Grafschaft: 7 Tage!)
  • Überprüfung durch Stickstoffsensor (siehe Landwirt Georg Siegl aus Bayern) – Sensor kombiniert mit Düngestreuer (über GPS) – Traktor schaltet, sobald der Grenzwert (170 Kg Nährstoffe/Jahr) erreicht wird, automatisch runter

Gefährliches Nitrat im Grundwasser

  • Extreme Überdüngungen in NRW, Niedersachsen – hart an der Grenze RLP
  • Klage EU anhängig
  • In Bayern sind die Nitratschwellenwerte (50 mg/l) um 9 %  überschritten – in Deutschland im Schnitt um 28 %
  • In Bayern wurden kürzlich 3 Grundwasserbrunnen geschlossen, 3 neu gebaut und 2 sind in Arbeit – Kosten bisher ca. 8 Mill. €
  • Weiterhin wird in Bayern, wie auch in RLP, sauberes Trinkwasser mit nitrathaltigem verschnitten – Kosten ??
  • Der Bundesverband der Energie- und Wasserversorger warnt vor den steigenden Kosten der zukünfigen Grundwasseraufbereitung, die letztendlich nicht die Landwirtschaft trägt, sondern die Bürger
  • Von allen (hat die FWG auch vom Bundesministerium (BMEL) im Rahmen der Düngeverordnung ) wird eine Nitratdatenbank gefordert
  • 2 unterschiedliche Messnetze werden herangezogen. Das von der EU geprüfte ist „scheinbar“ nicht das richtige (zweitletzter Platz im Ranking) – es gibt ein Messnetz was angeblich besser ist – verbessert hat sich aber nichts!
  • Laut Landwirt Georg Siegl ist die Bodenbeschaffenheit (und nicht das Düngen mit Gülle!) in Bayern entscheidend für die hohen Nitratwerte
  • Weiterhin wird die Stickstoffdichte unterschätzt – siehe Bereich „Hohentann“, Bayern

Düngeverordnung

Neufassung hat u.a. folgende Änderungen:
(mehr Details siehe unter http://guelle-stopp.de/duengeverordnung-duev/ )

  • Düngezeiten eingrenzen
  • Neue Nährstoffbilanzierung erst ab 2000 Schweineplätzen
  • Stickstoffüberschüsse senken
  • Gärreste aus Biogasanlagen einrechnen

Kontrollen

  • Kaum Überwachung der Nährstoffbilanz auf der Grafschaft, aber auch generell
  • Kontrollen durch den Staat viel zu lasch

Besondere Probleme sieht die „Bürgerinitiative GÜLLE-STOPP“ in der Grafschaft

  • Bauantrag für ein Güllebecken in der Grafschaft – 5,5 Mill. Liter Fassungsvermögen
  • Probleme mit Dichtigkeit der Folie befürchtet!
  • Befürchtung des Überlaufs bei Starkregen!
  • Verkeimung mit E. Coli Bakterien der Trinkwasserleitungen im September 2014
    siehe Bericht im General-Anzeiger Bonn
  • Gülleschwemme im Kreis Ahrweiler durch Transporte aus den Niederlanden

„Bürgerinitiative für ein lebendiges und lebenswertes Binde e.V“, (Sachsen-Anhalt)

  • Schweinezucht- und Mastanlage mit vermuteten 40.000 Tieren des Holländers Adrian Straathof
  • Erweiterung der Anlage erfolgte vermutlich durch Schwarzbau unter Umgehung von Umweltvorschriften
  • Gerichtsverfahren läuft „Skandal nimmt kein Ende ….“ und ist noch nicht beendet
  • Verdacht, dass Straathof viel Gülle seiner Schweinemastanlage über die Landesgrenze hinweg nach Niedersachsen bringen lässt, um sie illegaler Weise dort auszubringen
  • Seit 2007 intensiviert sich der Gestank mehr und mehr „Es stinkt zum Himmel“
  • Gülletanklaster durchqueren den Ort Binde oftmals im Minutentakt

Vorschläge der Kreis FWG und von GÜLLE-STOPP

  • Kooperationen Landwirtschaft mit Wasserversorger (u.a. Münstermaifeld mit WVZ Maifeld-Eifel)
  • Runde Tische
  • Förderung umweltschonender Maßnahmen durch die Politik – dafür Subventionen abbauen
  • Grundwassermessstellen bauen und Nitratkataster einführen
  • Das Land Rheinland-Pfalz sollte mit der neuen Düngeverordnung die Möglichkeit nutzen, zusätzliche Landesverordnungen zu erlassen
  • Eine vermutlich geplante Erweiterung der Schweinemastanlage in Grafschaft-Esch muß verhindert werden