Nationaler Stickstoffbericht

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Am 31.05.2017 beschließt die Bundesregierung auf Betreiben von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks den ersten Nationalen Stickstoffbericht. „Das Thema Stickstoff wird erstmals umfassend auf die politische Agenda gehoben“, so die Ministerin.

Lesen Sie hier mehr zu „Einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit“, wie Frau Hendricks meint.

 

Weitere Informationen des Umweltministeriums: Stickstoffeintrag in die Biosphäre  und  Auf dem Weg zu einer nationalen Stickstoffminderung

 

Den Nationalen Stickstoffbericht betrachten wir erst einmal als regierungsamtliches Eingeständnis, dass dringend gehandelt werden muß. Zu oft gab es „Lippenbekenntnisse“ und es folgten keine Taten.

 

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert hierzu in einer Pressemitteilung:
Umweltrat fordert Konsequenzen aus dem nationalen Stickstoffbericht

 

In einem Interview auf WDR 5 fordert Prof. Manfred Niekisch, stellvertretender Vorsitzender des SRU, die notwendigen Konsequenzen von der Bundesregierung:

  • Stickstoff aus der Luft sei beim Einatmen kein Problem. Das Schlimme am Stickstoff sei nicht das, was wir ein- und ausatmen, sondern es seien die „reaktiven Stickstoffverbindungen“, die über die Luft und über die Gewässer die Böden massiv belasten. Die Ostsee sei in weiten Bereichen fast tot. Das liege u. a. an der Überdüngung genauso wie unsere Böden dadurch eine Gefahr für die Biodiversität darstellten, eben weil sie einfach überdüngt seien.

 

  • Erforderlich seien nun konsequente Umsetzungen aus Düngegesetz und Düngeverordnung. Dazu gebe die Länderöffnungsklausel in der Düngeverordnung den Bundesländern die Möglichkeit, die Umsetzung einer Stickstoffstrategie zu realisieren.

 

  • Belange der Landwirtschaft dürften nicht mehr so einseitig wie bisher berücksichtigt werden. Bislang seien zu viele Ministerien  -Umwelt, Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesundheit-  beteiligt gewesen und man hätte nicht an einem Strick gezogen.

 

  • Das Umweltministerium habe nur beschränkte Handlungsmöglichkeit und das Landwirtschaftsministerium mauert.

 

  • Lösungen in Sicht? Nein, es gäbe eine ganze Reihe von Knackpunkten zur Düngeverordnung:
    • Die Übergangsfrist für emissionsarme Ausbringungstechniken der Gülle von bis zu 8 (acht) Jahren dauere viel zu lange!
    • Die bisherige Vier-Stunden-Regel hätte für einen wirksamen Emissionsschutz auf eine Stunde reduziert werden müssen!
    • Regelung der Phosphatdüngung entspreche überhaupt nicht dem Stand der Wissenschaft

 

  • Es gäbe nach wie vor ein großes Problem für den Gewässerschutz und den Artenschutz.

 

  • Das Landwirtschaftsministerium habe zwei wissenschaftliche Beiräte und den SRU. Sie beraten die Bundesregierung und seien sich einig zu viel strengeren Maßnahmen.

 

  • Trotz Rückgang der Stickstoffbelastung der Luft in den letzten 20 Jahren nehme die Stickstoffbelastung der Böden ständig zu. Das Problem sei dramatisch größer geworden!

 

  • Die Stickstoffstrategie müsse vor allem mit der Düngung erfolgen:
    • das bedeute, aus dem Düngegesetz folgernd, vernünftige Vorgaben auf die Düngeverordnung (Bundesländer) machen und konsequent umsetzen.