Gegen die „gute fachliche Praxis“

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© Gülle-Stopp

Kalenborn 13./14. 10. 2017
Auf einer dauerhaft nicht landwirtschaftlich genutzten kleinen Fläche entsorgt ein Landwirt Gärreste aus einer Biogasanlage. Die Bürgerinitive hat einen bestimmten Landwirt unter dringendem Verdacht.

Einmal mehr entstehen Zweifel an der „guten fachlichen Praxis“, auf die sich die Landwirtschaft so gerne beruft!

 

 

Zur Einleitung zunächst einige klärende Hinweise, was für diesen Fall „gute fachliche Praxis“ beinhaltet:

Wie mit Gärresten aus einer Biogasanlage zu verfahren ist, bestimmt das Düngegesetz bzw. die Düngeverordnung. Die Düngung mit Gärresten, in diesem Fall „fester Wirtschaftsdünger“ genannt, ist erlaubt. Damit sind Gärreste gemeint, die aus nachwachsenden Rohstoffen z. B. Mais- oder Grassilage bestehen. Die Einarbeitung in unbearbeiteten Ackerboden hat innerhalb von vier Stunden zu erfolgen.

 

Nicht erlaubt sind Gärreste aus Biogasanlagen wie:

  • Speisereste,
  • Magen- und Panseninhalt von Schwein und Rind,
  • Fettabscheiderrückstände aus Großküchen und Gastronomie,
  • Bioabfälle

 

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gibt folgende Hinweise zur „Lagerung/Zwischenlagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern in der Landwirtschaft“.

„Eine kurzfristige Zwischenlagerung von sonstigen, festen Wirtschaftsdüngern (> 15 % TS) in der Feldflur ist möglich, wenn sie nach Anlieferung unverzüglich aufgebracht werden. Dies bedeutet, dass zur Zeit des Transports und Lagerns am Feldrand  sichergestellt sein muss, dass die Ausbringfahrzeuge den Wirtschaftsdünger unverzüglich ausbringen können, ein Düngebedarf vorhanden ist und auch die Witterungsbedingungen eine Ausbringung erlauben. Ein Lagern am Feldrand zu einem Zeitpunkt, zu dem der Aufbringungstermin noch nicht feststeht, ist unzulässig.

….. Die Feldrandlagerung darf nicht dazu dienen, fehlende Lagerkapazitäten zu ersetzen“.

 

 

Da seit 01.10.2017 die neue Sperrfrist für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger gilt, durfte der Landwirt diese Gärreste nicht als Dünger auf einem Feldstück ausbringen. Offenbar hat er nun kurz entschlossen gegen jede Vorschrift gehandelt, indem er die noch sehr flüssigen Gärreste auf einen freien Lagerplatz neben einem Feldstück abkippte. Hierbei sind einige Vorschriften sträflich missachtet worden:

  • Zwischenlagerung nur möglich in einer undurchlässigen Einfassung aus z. B. wasserdichtem Beton
  • Nur zulässig, wenn keine Beeinträchtigungen des Oberflächenwassers, des Grundwassers oder des Bodens zu befürchten sind
  • Die Zwischenlagerung muß abgedeckt werden, um Auswaschung durch Niederschläge und eine gasförmige Verflüchtigung von Ammoniak zu verhindern

 

 

Im vorliegenden Fall wurden die sehr flüssigen Gärreste ohne Sicherheitsvorkehrungen abgekippt sodass:

  • die flüssigen Bestandteile unkontrolliert von der schrägen Ebene in ein nahe gelegens Wäldchen abfließen konnten
  • nicht verhindert wurde, dass eine Beeinträchtigungen des Oberflächenwassers, des Grundwassers oder des Bodens ausgeschlossen werden kann
  • die Gärreste durch nachfolgenden Regen weiter ausgewaschen werden
  • enthaltener Ammoniak entweichen konnte

 

Die nachfolgenden Fotos entstanden einen Tag später, als die sumpfige und feuchte Masse oberflächlich angetrocknet war. Den Verlauf des wässrigen Bestandteils kann man jedoch gut erkennen.

 

Die Agraraufsicht ADD in Koblenz wurde umgehend benachrichtigt. Ein Sachbearbeiter kam sehr zeitnah, da dieser Vorgang als besorgniserregend eingestuft wurde. Die Ergebnisse von Bodenprobenuntersuchungen liegen noch nicht vor. Ebenso wartet die Bürgerinitiative noch auf einen abschließenden Bericht.

 

Völlig unerklärlich ist, dass der Landwirt noch vor Eintreffen der ADD diese Gärreste  -mit wahrscheinlich einem Grubber-  gleichmäßig über die Fläche verteilt hat. Umso mehr ist nun diese Masse den Auswaschungen von Niederschlägen ausgesetzt.

 

 

 

Das vorläufige Fazit der Bürgerinitiative:

 

verantwortungslos

rücksichtslos

umweltbelastend

 

möglicherweise ist diese Handlung als kriminell einzustufen?