Fragwürdiger Aktionismus

© Ulrich Hermanns

ASP
Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch

 

Der Deutsche Bauernverband fordert am 12.01.2018 eine Bestandsreduzierung der Wildschweinpopulation um 70 Prozent. Ein einziger Fall von ASP führe in ganz Deutschland zu einer Exportsperre.

 

 

Lobbyismus und die Furcht vor Milliardenverlusten bei Schweinemästern und der Fleischindustrie verlangen einen dramatischer Eingriff in das sensible Ökosystem von Lebensgemeinschaften. Niemand kann die Folgen für Tier- und Pflanzenwelt vorhersagen. Und fast zeitgleich erreicht die Öffentlichkeit die Zustimmung aus der Politik. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt unterstützt den Vorstoß.

 

Wenn die Seuche in Deutschland ankommt, dann bricht ein lukrativer Exportmarkt zusammen, und es droht im weiten Umkreis Tausenden Zuchtschweinen die Keulung.

 

In einer Stellungnahme des NABU Kreisverband-Borken heißt es:

„Es ist nicht die Natur und die Tiere, die den Mensch und viele Existenzen bedrohen, es sind die Personenkreise, die nur Ihren wirtschaftlichen Vorteil sehen und nicht erkennen, dass dieser Weg eine Sackgasse ist“.

                                            Rudolf Souilljee, (Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken e. V.

 

 

Unsere Bürgerinitiative würde mit Entsetzen einer abscheulischen Massenkeulung von Tieren entgegensehen. Milliardenverluste einer gierigen Landwirtschafts- und Fleischindustrie bedeuten für uns einen eher hoffnungsvollen Lichtstreif am Horizont für eine Umkehr zu einer ökologisch orientierten Landwirtschaft.

 

 

 

Das Umweltministerium RLP lehnt auf eine Anfrage des SWR eine erhöhte Abschussquote ab: „Eine Abschussquote von 70 Prozent, wie sie der Bauernverband fordere, sei nicht zu beziffern, weil überhaupt nicht bekannt sei, wie viele Wildschweine in Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland lebten“.

 

 

In einem Interview der ZEIT mit dem Wildökologen Sven Herzog, spricht dieser von einer „transportbedingten Krankheitsverbreitung“ aus Ländern Osteuropas.

„Wildschweine sind meist ortstreu.
Zudem macht die ASP befallene Schweine unbeweglich, mit hohem Fieber sterben die Tiere rasch. Viel schnellere ASP-Überträger sind Reisende und Berufskraftfahrer. An Schuhen, Kleidern oder Fahrzeugen können die widerstandsfähigen Viren haften bleiben. Besonders riskant ist importierte Nahrung“.

 

Wir haben es letztendlich mit einem Problem der Massentierhaltung zu tun. Industrielle Landwirtschaft und Politik haben schon zu lange auf die Subventionierung von großflächigem Mais- und Rapsanbau für Biogas und Biosprit gesetzt. Wildschweine finden dort optimale Vermehrungsbedingungen, üppiges Mastfutter und gute Verstecke vor.

 

Der Deutsche Tierschutzbund meint:

„Ohne wissenschaftliche Grundlage wird hier der Massenabschuss von Wildschweinen propagiert. Aus Tierschutzsicht ist es nicht akzeptabel, dass man aufgrund etwaiger Katastrophenszenarien in Panikmache verfällt, den Tierschutz außen vor lässt und Schonzeiten aufhebt – und sogar die flächendeckende Tötung von Muttertieren und Frischlingen fordert, wie es der Bauernverband tut. Wir brauchen faktenbasierte Strategien im Umgang mit Seuchenszenarien.

Letztlich bedeuten weniger Wildschweine auch nicht zwangsläufig, dass es nicht doch zum Seuchenausbruch kommen kann. Wildschweine sind nicht das Problem bei der Ausbreitung der Schweinepest, sondern der Mensch. Weil tausende Mastschweine in riesigen Hallen zusammengepfercht gehalten werden, wird die schnellere Ausbreitung von Krankheiten bzw. Seuchen begünstigt. Auch über den Grenzverkehr breitet der Mensch selbst die Seuche aus. Hier muss man ansetzen.“

 

Fakten zu ASP bieten:

Tierseuchen-Info Niedersachsen

Friedrich-Loeffler-Institut