Gefährliche Keime in Gewässern


Es war nur eine Frage der Zeit.
Am 06. Februar 2016 veröffentlichte der NDR eigene Untersuchungen zur Keimbelastung in Gewässern in Niedersachsen mit sehr Besorgnis erregenden Ergebnissen.
NDR Gefährliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und-Seen

 

 

 

Wie kann es sein, dass die Öffentlichkeit wieder einmal diese Nachrichten und Warnungen aus den Medien erfährt und nicht von den zuständigen Ämtern? Alljährlich werden beste Untersuchungsergebnisse z. B. für Badeseen veröffentlicht. Was läuft da eigentlich falsch? Wer hat ein Interesse, diese Tatsachen unter den berühmten Teppich der Verschwiegenheit zu kehren?

 

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen informieren zum Thema und haben eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt

Lesen Sie hier die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen und machen Sie sich selbst ein kritisches Bild zur Lage. Ebenfalls erfolgte eine dringliche Anfrage an die Landesregierung in Niedersachsen.

Lesen Sie hier die Antwort der Landesregierung.

 

Warum sind Multiresistente Keime so gefährlich?

Multiresistente Keime sind Krankheitserreger, die gegen viele Behandlungsstoffe eine Resistenz entwickelt haben. Diese Substanzen sind vielfach gegen lebensrettende Antibiotika immun. Das bedeutet: Bei einer Infizierung mit diesen Erregern schlagen Behandlungen mit Antibiotika nicht an. Die Erkrankten können nicht mehr mit bekannten Mitteln behandelt werden. Todesfälle sind möglich.

 

In Niedersachsen ist eine sehr hohe Konzentration von Ansiedlungen an Massentierställen festzustellen. Das damit verbundene Gülleaufkommen belastet Grundwasser und Oberflächengewässer. Es darf vermutet werden, dass hier die Ursache der Belastung durch multiresistente Keime liegt.

 

Allerdings weisen die Vertreter der Landwirtschaft gebetsmühlenartig einen ursächlichen Zusammenhang zurück. Eine Presseerklärung des Deutschen Bauernverbands anlässlich des Weltwassertags am 22.03.2018 ist wohl eher als eine nette Aufmerksamkeit zu verstehen und lenkt von der eigentlichen Problematik ab.

 

Das Umweltbundesamt veröffentlicht den neuesten Bericht
„Gewässer in Deutschland: Zustand und Bewertung“

 

In den Medien werden Zustandsberichte mal mit schlechtem, mal mit gutem Ergebnis veröffentlicht. Das kann verwirren!

Der Zustand von Gewässern kann durch zwei unterschiedlichen Kriterien bewertet werden, weshalb einmal ein guter Zustand und ein andermal ein schlechter bekannt gegeben wird. Man muß zwischen zwei ganz unterschiedlichen Reporten unterscheiden, um klar zu differenzieren:

Report der Europäischen Umweltagentur EEA

Bewertet die Qualität der Badegewässern, basierend auf der Badegewässer-Richtlinie 2006. Untersucht werden Fäkalkeime wie Enterokokken oder Escherichia coli oder
Cyanobakterien. Dies können gefahren für Schwimmer sein.

Die EU-Wasserrahmen-Richtlinie bewertet nach ökologischen Kriterien.

Flüsse, Bäche, Seen, Küstengewässer und Grundwasserkörper werden nach chemischer Belastung und ökologischer Funktion bewertet. Es geht um die Frage: „Wie nah
am natürlichen Zustand befinden sie sich“? Die Daten werden nach einem ganz anderen Messnetz erhoben und sind Grundlage einer wesentlich umfangreicheren
Bewertung.