Was Du nicht willst, das man Dir tu, das ………

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© Gülle-Stopp

06. April 2018


Ein Grafschafter Landwirt mit einer Schweinemast von knapp über 1.400 Tieren düngt einige Felder in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung mit Schweinegülle.

 

 

 

 

Worum geht es?
Die vorgenommenen Düngemaßnahmen entsprechen den Vorgaben der Düngeverordnung. Es handelt sich um eine sogenannte „Kopfdüngung“, die im Frühjahr beim Vegetationsstart auf die Herbstaussaat aufgebracht wird. Natürlich kann in diesen Fällen die Gülle nicht in den Boden eingearbeitet werden und somit sind Anlieger am nahen Acker diesem widerlichen Gestank ausgesetzt, der tagelang anhalten kann. Die Landwirtschaftskammern raten ihren Landwirten, eine Kopfdüngung bei Wetterlagen ohne starken Wind und im Idealfall vor leichtem Nieselregen vorzunehmen. Dadurch verbessert sich die Aufnahme der Gülle im Boden. Ammoniakemissionen werden reduziert und damit auch eine Geruchsbelästigung in der Umgebung. Einige Kammern raten sogar dazu, etwa 500 Meter Abstand zur Wohnbebauung zu halten.

 

Wenn es trotzdem stinkt, steht unsere Wahrnehmung im Gegensatz zu dem von der Landwirtschaft gerne zitierten Begriff „Gute fachliche Praxis“. Grafschafter Ortsteile Alteheck und Holzweiler waren durch die Düngemaßnahmen,  z. T. unmittelbar an der Wohnbebauung, direkt betroffen. Zunächst war es ein harter Ostwind, der den Fäkaliengestank heftig in die Häuser und Gärten trieb. Samstag und Sonntag verstärkte das fast sommerliche Wetter diese Auswirkung und verdarb den Bürgern erste Gartenfreuden.

 

Im Zusammenhang der Auseinandersetzungen um den Bauantrag der Güllegrube bei Gelsdorf hieß es in einer Presserklärung der CDU Grafschaft vom 14. November 2016:
„Dieses Vorhaben gefährdet den sozialen Frieden in unserer Gemeinde“
und weiter in Bezug auf § 35 BauGB „Bauen im Aussenbereich“ wird sehr richtig bemerkt:
….. „daher ist das ´geltende Recht‘ das eigentliche Problem“.

 

Bezüglich der Düngemaßnahmen mit Gülle sieht die Bürgerinitiative ebenfalls das geltende Recht als das eigentliche Problem.

 

Wenn Landwirte sich „nur“ auf das Gesetz berufen ohne Rücksicht der Auswirkungen auf die Bürger, so können wir aus den vielen Gesprächen versichern: „Der soziale Friede in der Gemeinde ist sehr stark gefährdet“, auch verstärkt durch den häufigen Hinweis, „dann solle man doch nicht aufs Land ziehen“.

Die Zeiten haben sich geändert. Die viel zitierte Gutsherrenart sollte endgültig der Vergangenheit angehören.

Die Ohnmacht  wandelt sich in Wut auf die Handelnden und auf den Gesetzgeber, der die Bedürfnisse der Bürger in keinster Weise berücksichtigt. Immer wieder ist zu erfahren, dass Bürgerbeschwerden nicht auf die Grafschaft beschränkt sind. Überall, wo in RLP mit Gülle gedüngt wird, gibt es viel Unverständnis und heftige Reaktionen, zumal die Bürgerinitiative Vergehen gegen die gute fachliche Praxis aufdeckt.

 

Landwirte genießen Ansehen und Wertschätzung seit Jahrhunderten.
Dieser Wertschätzung für rechtschaffenes bäuerliches Handwerk schließen wir uns an.
Jedoch, „Gute fachliche Praxis“ beinhaltet nicht nur Verantwortung tragen für sein Tun, sondern ist auch mit Anstand und rechtschaffener Haltung verbunden gemäß dem Motto:
„Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu“.

 

Heute dominiert leider die industrialisierte Landwirtschaft, die im Verdrängungswettbewerb unzählige Familienbetriebe zur Aufgabe gezwungen hat. Die starke Lobby in Berlin sägt inzwischen kräftig an dem Ast der Wertschätzung für die Bauern.

 

Ein Landwirt mag für den „richtigen“ Zeitpunkt einer Düngung mit Gülle mehrere Gründe anführen, Gründe, die teilweise nachvollziehen sind. Trotzdem muß die Frage erlaubt sein, ob „gute fachliche Praxis“ nur so gehen kann? Wie lange müssen wir uns das noch gefallen lassen? Es kann auch nicht im Interesse der Gemeinde liegen, wenn sich zukünftig Neubürger mit dieser landwirtschaftlichen Praxis konfrontiert sehen! Es ist auch wirklich kein hilfreiches Argument, dass Gülle ein wertvoller Dünger sei. Die Schattenseiten der Gülle aus der Massentierhaltung sind auf unserer Homepage ausführlich angesprochen.

 

Der viel kritisierte ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat uns vorgeführt, wie handfeste Entscheidungen getroffen werden und die Bedürfnisse der Bürger keine Berücksichtigung fanden. Viele Entscheidungen wurden gegen sachlich fundierten Expertenrat gefällt.

 

Mit großem Interesse sehen wir dem angekündigten „Runden Tisch“ der Gemeinde mit der Landwirtschaft entgegen. Er ist als Gedanken- und Informationsaustausch geplant. Es wäre sehr wünschenswert, wenn von der Landwirtschaft deutliche Signale für ein Entgegenkommen an die Bürger empfangen werden könnten.