Berater von Ministerin Klöckner fordern Agrarwende

© Ulrich HermannsIn zwei neuen Gutachten rechnen die Wissenschaftlichen Beiräte der Landwirtschaftsministerin mit der bisherigen Agrarpolitik ab – und stellen sich damit gegen die Regierung. Eine engagierte Agrarwende zu einer natur- und umweltverträglichen Landwirtschaft sei dringend zu fördern.

Diese Empfehlungen scheinen „explosives“ Potential zu haben, denn sie wurden hinter verschlossenen Türen ohne Kameras übergeben.

 

 

  1. Gutachten:

Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE)
„Für eine gemeinwohlorientierte Gemeinsame Agrarpolitik der EU nach 2020“  Grundsatzfragen und Empfehlungen“

 

  1. Gutachten

Wissenschaftlicher Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen
„Für eine Gemeinsame Agrarpolitik, die konsequent zum Erhalt der biologischen Vielfalt beiträgt“

 

 

Diese Gutachten stehen in kritischer Distanz zum neuen Kurs in der gemeinsamen EU Landwirtschaftspolitik (GAP), die die EU Kommission als Vorschlag für die kommende Förderperiode bis 2028 vorgelegt hat. 365 Milliarden Euro sollen künftig an die Landwirtschaft verteilt werden. Mit den Direktzahlungen werden weiterhin die Landwirte pro ha unterstützt, ganz gleichgültig, wie dort landwirtschaftlich gearbeitet und was erzeugt wird. Die großen Betriebe bleiben wieder die Gewinner und für kleine Landwirten reicht die Unterstützung nicht aus. Sie haben schlicht zu wenig Fläche, um genügend Fördermittel zu erhalten.

Frau Klöckner lobt die EU Kommission, weil sie „wichtige deutsche Anliegen berücksichtigt“ habe.

 

Die eigenen Gutachter aber empfehlen jedoch die Abschaffung der Direktzahlungen.
Künftig solle derjenige Landwirt, der etwas für die Allgemeinheit, die Natur und Umwelt sowie für das Tierwohl leistet, belohnt werden.

 

„Die neue Agrarpolitik muß einen gesellschaftlichen Mehrwert bringen“ sagt der BUND

 

Umweltbundesamt Download Bericht 2018 auf 158 Seiten
„Daten zur Umwelt 2018: Umwelt und Landwirtschaft“ und eine  Kurzfassung  auf 12 Seiten.

 

Im Vorwort heist es:

„Diente die Landwirtschaft früher vor allem dazu, die Menschen im eigenen Land mit Nahrung zu versorgen, ist sie heute Teil weltweiter Handelsströme – vom Import von Futtermitteln bis zum Export von Fleisch in alle Welt. Diese moderne Landwirtschaft produziert große Mengen günstiger Nahrungsmittel, bleibt aber nicht ohne Folgen für die Umwelt. Die vorliegende Broschüre liefert eine Fülle von Zahlen, Daten und Fakten – Grundlage für die Diskussion und um Wege in eine nachhaltigere und umweltschonendere Landwirtschaft zu finden“.

 

 

Die Deutsche Landwirtschaft sieht sich unter Zugzwang und entwickelt unter dem Dach des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft eine Ackerbaustrategie


„Strategie“ kann durchaus zweierlei bedeuten:
1. Es wird ein guter bis optimaler Lösungsweg entworfen, den man langfristig umsetzen wird.
2. Eine Strategie kann durchaus zur Verschleierung (Taktik) entworfen werden. Danach abwarten.

 

Dazu einige Links:
Deutscher Bauernverband Pressemitteilung 1  und  Pressemitteilung 2

TOPAGRAR: Ackerbaustrategie soll im Herbst vorliegen

BUND, eine erste Analyse zur EU Agrarpolitik nach 2020

Deutschlandfunk EU-Agrarpolitik-unter-Reformdruck-ringen-um-die-Zukunft

 

 

 

Und die Bürger?
Schauen sie nur zu, oder dürfen sie auch anspruchsvolle Erwartungen haben?

Die Proteste der Bürger nehmen von Jahr zu Jahr zu. Allein im Januar, anlässlich der „Grünen Woche“ in Berlin demonstrierten mehr als 30.000 Menschen  -dreimal mehr als im Vorjahr-  unter dem Motto
„Wir haben es satt“.