Bakterien tauschen Resistenzinformationen untereinander aus

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Bakterien besitzen die Fähigkeit zum Genaustausch, der es ihnen ermöglicht, sich kurzfristig an veränderte Lebensbedingungen anzupassen……..

…….. „horizontaler Gentransfer“ ist dafür die Bezeichnung in der Fachsprache.

Multiresistente Keime, die mit der Gülle auf den Acker gelangen tragen die genetischen Voraussetzungen für die Resistenz auf sogenannten Plasmiden, „ringförmige, autonom replizierende, doppelsträngige DNA-Moleküle, auf deren Ringe (Plasmide) die Resistenzgene sitzen“. Und diese Ringe aus der DNA sind mobil (s. Graphik), sodass sie auf noch nicht resistente Bakterien im Bodenmilieu übertragen werden können.

Antibiotika werden zu mehr als 50%  -je nach Struktur eines Antibiotikums auch deutlich mehr-   vom behandelten Vieh unverbraucht wieder ausgeschieden und gelangen mit der Gülle auf den Ackerboden. In diesem unterschätzten Faktor Bodenmilieu schaffen diese Antibiotika eine zusätzliche Voraussetzung zu weiterer Resistenzbildung.

Verteilung von kontaminierter Gülle stellt eindeutig eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, die unbedingt weiter erforscht werden muß.

Frau Prof. Kornelia Swalla vom Julius-Kühn-Institut in Braunschweig führt Forschungen auf diesem Gebiet durch. In einem Bericht beim SWR – Resistente Keime im Acker – In Gülle lauern gefährliche Bakterien wird der komplexe Zusammenhang ihrer Forschungsarbeit erläutert.

 

Hierzu in aller Kürze folgende Infos:

  • Bakterien können untereinander ihre Gene austauschen
  • Multiresistente Keime, die z: B. mit der Gülle auf den Acker oder auf Grünland gelangen, können ihre Resistenzgene mit der natürlichen Bakteriengemeinschaften im Boden austauschen. Gülle schafft hierzu mit seinen Nährstoffen gute Bedingungen auf dem Ackerboden
  • Ein hoher Anteil nicht verstoffwechselter Antibiotika gelangt mit der Gülle auf die Böden und fördert zusätzlich eine Resistenzbildung der natürlichen Bakterienflora
  • Es bilden sich ein sogenannter  Hotspot für den „Horizontalen Gentransfer“
  • Potenziell für den Menschen pathogene Bakterien werden durch resistente Keime in ihrer Resistenzbildung beeinflußt.
  • Resistente Bodenbakterien können durchaus in den menschlichen Körper gelangen, denn die Pflanzen, die wir essen, nehmen sie auf. Wir waschen sie nicht einfach ab, weil sie sich zum großen Teil in den Pflanzen befinden.
  • Ein Mensch mit einer Darmerkrankung, der mit Antibiotika behandelt wird und solches Gemüse ißt, könnte seinen Krankheitserregern die Resistenzgene mit der Nahrung liefern. Die Antibiotika verlören bei ihm ihre Wirkung

 

Ein stark erhöhtes Vorkommen von resistenten Bakterien in Oberflächenwasser in Gebieten mit intensiver Viehzucht oder auch intensiver Gülledüngung fördert eine mögliche Ausbreitung von resistenten Bakterien in essfertigem Gemüse durch die Bewässerung von Gemüsekulturen mit Oberflächenwasser, oder durch Abscheidung aus der Luft.

Es ist noch nicht bekannt ob die Umwelt im Vergleich zu den Risiken für Viehhalter oder Tierarzt einen relevanten Übertragungsweg der Resistenz zum Menschen bildet. Aber es ist sicher, dass resistente Bakterien sich relativ schnell in einem Gebiet mit intensiver Viehzucht ausbreiten können.

 

Es stellt sich uns die drängende Frage, inwieweit eine Kontamination durch stechende und saugende Insekten (Vektoren) aller Art ein Übertragungsweg auf den Menschen sein kann? Die Vermutung ist nicht von der Hand zu weisen, denn Beispiele für schwere bis schwerste Infektionen durch stechende und blutsaugende Insekten werden in der Medizin reichlich beschrieben. Auch Haustiere könnten potentielle Überträger sein.

 

Weitere Links:

Horizontaler Gentransfer – Ein natürlicher Prozess

Wenn Gene von Bakterien auf Menschen übergehen