Antibiotika verlieren ihre Wirkung

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Schon lange diskutiert.
Problem erkannt, aber noch keine Lösung in Sicht.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt am 07.11.2018 vor der Ausbreitung von multiresistenten Erregern, die stärker bekämpft werden müssen. Dies sind Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr wirksam sind. Bis 2050 könnten in Europa, Nordamerika und Australien bis zu 2,4 Millionen Menschen sterben.

In der EU sterben jährlich mehr als 33.000 Menschen, davon in Deutschland 2.363
(Stand 2015)

Im renommierten Fachblatt  „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichte eine internationale Forschergruppe diese Untersuchungsergebnisse.

 

Besonders gefährdet sind Kleinkinder und ältere Menschen, aber auch Berufsgruppen wie Mediziner, Krankenschwestern, Apotheker, Tierärzte und Landwirte. Etwa drei Viertel der Ansteckungen seien in Kliniken oder anderen Gesundheitseinrichtungen zurückzuführen. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Quelle der multiresistenten Keime in Gesundheitseinrichtungen, speziell in Krankenhäusern, zu suchen sei. Inzwischen ist bekannt, dass Patienten diese Keime in diese Gesundheitseinrichtungen hineintragen.Sie befinden sich auf der Haut, Schleimhaut oder obere Atemwege der Menschen, die, solange sie nicht ernsthaft erkrankt und geschwächt sind, keiner Bedrohung durch die Keime ausgesetzt sind.

Wie gelangen multiresistente Keime in die Umwelt?
Hierzu sei auf eine Veröffentlichung des Umweltbundesamts von Oktober 2018 hingewiesen : „Antibiotika und Antibiotikaresistenzen in der Umwelt“ Hintergrund, Herausforderungen und Handlungsoptionen.

„Hotspots für die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen gelten vor allem die Düngermedien (Gülle, Gärreste) aus der Landwirtschaft und die kommunalen Abwässer insbesondere diese mit indirekten Einträgen aus Gesundheitseinrichtungen (Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Seniorenresidenzen). Dabei sind Gülle, Klärschlamm und Gärreste sowie das kommunale Abwasser in der Regel über die Ausscheidungen von Tieren und Menschen direkt mit ARB (Antibiotika Resistente Bakterien) belastet“.
Im Jahr 2015 wurde dazu das Forschungsvorhaben HyReKa vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestartet. Es soll herausgefunden werden, wie innovative Abwassertechnik resistente Keime tötet.
Wie auch in der Expertenanhörung des Agarausschusses des Deutschen Bundestags erläutert wurde, können resistente Keime mit sehr hohem technischen Aufwand -Ultrafiltration, Nanofiltration, Ozon- möglicherweise bis zu 99 Prozent in Kläranlagen eliminiert werden. Jedoch verbreiten sich die resistenten Gene weiterin in der Umwelt (Stichwort Horizontaler Gentransfer)
Die Bürgerinitiative ist sehr besorgt, wenn das Umweltbundesamt die Ausbreitung der Keime über Dünger am problematischsten ansieht.
Die Reste aus der Tierhaltung -Antibiotika und resistente Keime- gelangen mit der Gülle auf die Ackerflächen und somit möglicherweise in den Kreislauf der Oberflächengewässer.

Weiterführende Links:
Gesundheitsbeitrag der Bürgerinitiative
Multiresistenzen aus der Landwirtschaft

Gesundheitsbeitrag der Bürgerinitiative
ESBL

Bundesministerium für Bildung und Forschung
Innovative Abwassertechnik tötet Keime

Wortprotokoll der Expertenanhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestags
Unser Wasser vor multiresistenten Keimen schützen

Sendebeitrag in 3Sat
Das Arsenal ist ausgereizt

Uni Kliniken Bonn
Verbreiten sich multiresistente Keime über Abwässer?

Interview mit Prof. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Uni Bonn
Keime verbreiten sich über Abwässer