Landwirtschaft und Feinstaub

Quelle: shutterstock_136209176„Feinstaub kann natürlichen Ursprungs sein oder durch menschliches Handeln erzeugt werden. Stammen die Staubpartikel direkt aus der Quelle – zum Beispiel durch einen Verbrennungsprozess – nennt man sie primäre Feinstäube. Als sekundäre Feinstäube bezeichnet man hingegen Partikel, die durch komplexe chemische Reaktionen in der Atmosphäre erst aus gasförmigen Substanzen, wie Schwefel- und Stickstoffoxiden, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen, entstehen. Wichtige vom Menschen verursachte Feinstaubquellen sind Kraftfahrzeuge, Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag, die Tierhaltung sowie bestimmte Industrieprozesse. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche.

Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft: Vor allem die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe aus der Tierhaltung tragen zur Sekundärstaubbelastung bei. Als natürliche Quellen für Feinstaub sind Emissionen aus Vulkanen und Meeren, die Bodenerosion, Wald- und Buschfeuer sowie bestimmte biogene Aerosole, zum Beispiel Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen zu nennen“.  (Textquelle: Umweltbundesamt )

Die größten Feinstaubquellen sind:

Landwirtschaft       45%

Verkehr                                 20% Industrie                               13% Kraftwerke                            13% Kleinfeuer                               8% Biomasse                                1%

 

„Pimäre“ Feinstaubemissionen PM 10 mit der Partikelgrösse 10 Mikrometer (µm) entstehen durch Verkehr, Industrie, Kraftwerke, Feuer und Biomasse, teilweise auch durch Entlüftungsanlagen in der Massentierhaltung, die ohne Filter ausgerüstet sind.

„Sekundäre“ Feinstaubemissionen PM 2,5 mit der Partikelgrösse 2,5 Mikrometer (µm) stehen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Warum?

Ammoniakgase kommen zu 95% aus der Landwirtschaft  -Massentierhaltung, Gülle-  und bilden aus dem „primären“ den „sekundären“ Feinstaub mit der wesentlich kleineren Partikelgrösse PM 2,5. Diese kleinsten Partikel sind besonders gesundheitsschädlich, weil die Partikel tief in die Lunge eindringen und Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verursachen können. In der EU verursachen diese PM 2,5 etwa 400.000 Todesfälle bei dauerhafter Feinstaubbelastung.

 

©  Gülle-Stopp

 

 

WHO hält EU-Feinstaub-Grenzwerte für zu hoch

 PM 10 Mikrometer (µm)/JahrPM 2,5 Mikrometer (µm)/Jahr
WHO2010
EU4025

 

Deutschland überschreitet gebietsweise die EU Vorgaben deutlich!

Die EU Kommission erwägt eine Klage gegen Deutschland

Warum tut die Politik seit 20 Jahren zu wenig bis gar nichts?
Warum kann sich die Landwirtschaftslobby mit ihren Forderungen immer wieder durchsetzen?

Warum gibt es immer noch nicht viel, viel strengere Vorgaben zum Schutz der Gesundheit der Menschen?

 

 

Studie der Max-Planck-Gesellschaft

Veröffentlichung  IASS Potsdam

WDR Quarks & Co  Unsichtbar und tödlich? Die tückischen Gefahren des Feinstaubs

Deutsche Umwelthilfe Wie Ammoniak unsere Luft vergiftet

Unsere Menüpunkte unter Gesundheitsgefahren Feinstaub und Ammoniak

 

 

Auswirkungen auf die Gesundheit

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

 

Was erwarten wir von der Landwirtschaft bezüglich Reduzierung von Ammoniakemissionen und damit weniger Feinstaubbelastung?

  • Abschaffung der Massentierhaltung
  • Eine Obergrenze für den Tierbesatz unterstützen zum Wohle für Mensch und Tier
  • Emissionsarme Gülleausbringung durch Direkteinarbeitung in den Boden
  • Keine Gülleausbringung oberhalb einer Temperatur von 25°C, Trockenheit und starkem Wind
  • Kopfdüngung im Frühjahr stark reduzieren
  • Filtereinbau in jeden größeren Stall mindestens nach Vorgabe der Filtererlasse
  • Filtereinbau unbedingt auch in Altbestände
  • Abdeckung von offenen Güllelagern, damit diese Stoffe nicht in die Umgebungsluft gelangen

 

In diesem Zusammenhang gibt es Hoffnung durch „Separierung“ der Gülle.

Dabei werden die Festbestandteile von der wässrigen Phase getrennt. Die bislang genutzten Gerätschaften sind jedoch nicht in der Lage, das wasserlösliche Ammoniak und somit den Stickstoff ebenfalls zu trennen. Technisch aufwendige Anlagen, die am Ende einer Separation Feststoffe als wertvollen Dünger einerseits, und sauberes Wasser mit weniger als 1,5% Stickstoff andererseits trennen, gibt es schon und befinden sich in der Erprobungsphase.

Im Ergebnis werden dabei die Ammoniakemissionen maximal reduziert. Die Lagerung des festen Düngers würde erleichtert und schließlich müssten wie bisher mit der Gülle nicht 90-95% Wasser über die Strassen transportiert werden.

Mit dem festen Dünger wäre die Landwirtschaft in der Lage, gezielter, effektiver und sauberer zu düngen. Die Nitratbelastung des Grundwassers würde zurückgehen, ebenfalls die Ammoniakemissionen und schließlich würden Anwohner zukünftig nicht mehr durch widerlichen Gestank belastet.

In Südtiroler  Wipptal  gibt es ein von der EU gefördertes Projekt, das erste Erfolge aufzeigt. Es ist eine von vielen technischen Möglichkeiten, die Problematik in den Griff zu bekommen

 

 

Hohe Erwartung an die Erneuerung der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“
(TA Luft) Mitte 2019
Die noch geltende TA Luft stammt aus dem Jahr 2002

©  Gülle-Stopp

 

Strengere Filtererlasse einzelner Bundesländer  -NRW, Niedersachsen, Schleswig Holstein, Thüringen-  ergänzen z. Zt. fehlende Bundesvorgaben.

NRW Erlass Erlass Tierhaltungsanlagen

NRW Pressemitteilung

Niedersachsen Filtererlass 1

Niedersachsen Filtererlass 2

Niedersachsen Pressemitteilung

Thüringen Pessemitteilung

Schleswig Holstein Pressemitteilung

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das Bundes Immissionsschutz Gesetz (BImSchG) und die Verordnung zur Geruchsimmissions-Richtlinie -GIRL hingewiesen.

TA Luft = Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft

UVPG = Umweltverträglichkeits-Prüfungsgesetz