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Ammoniak (NH3) ist ein unangenehm riechendes, farbloses und giftiges Gas, das Augen und Atemwege reizt. Es ist wasserlöslich, was bedeutet, dass das Gas aus der Atmosphäre mit dem Regen wieder zurück auf den Boden gelangt. Mit der Gülle entfaltet sich die starke Ätzwirkung belastend auf Bodenlebewesen und trägt zur Versauerung des Bodens bei. Außerdem ist es wasserökologisch als äußerst bedenklich einzustufen.

 

 

Eine wässrige 25%ige Ammoniaklösung aus dem Handel trägt folgende Gefahrenpiktogramme und läßt die Gefahren von Ammoniak Gas erahnen:

 

 

Landwirtschaft ist laut Umweltbundesamt gemäß Emissionsberichterstattung 2013 zu 95% die Hauptquelle von Ammoniak in der Atmosphäre und durch Ausbringung von Gülle am Boden. Die EEA (European Environment Agency), eine Agentur der EU nennt 94%.

Daran beteiligt ist in erster Linie die Massentierhaltung und in der Folge die Gülledüngung zu:

  • 52% Rinder
  • 20% Schweine
  •   9% Geflügel
  • 15% Mineraldünger

 

Das Umweltbundesamt beschreibt die Wirkungen auf die Umwelt:

„Ammoniak und das nach Umwandlung entstehende Ammonium schädigen Land- und Wasserökosystemen erheblich durch Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung). Bodenversauerung und Nährstoffüberversorgung natürlicher und naturnaher Ökosysteme (wie zum Beispiel Moore, Magerstandorte, Gewässer) durch reaktiven Stickstoff können zu Veränderungen der Artenvielfalt führen. Besonders hohe Ammoniakkonzentrationen in der Umgebung von großen Tierhaltungsanlagen können zu direkten Schäden an der Vegetation führen. Nach Verlust in die Umwelt kann sich Ammoniak über die Stickstoffkaskade auch in eine der zahlreichen anderen umweltwirksamen stickstoffhaltigen Verbindungen umwandeln, mit negativen Folgen für die Qualität der Atemluft (Bildung von Feinstaub und Ozon), die Wasserqualität (Nitrat in Grundwasser) und die Verschärfung des Klimawandels (Lachgas)“.

 

Weiter sagt das Umweltbundesamt zu den Minderungsmaßnahmen:

„Maßnahmen zur Minderung von Stickstoffemissionen müssen an den maßgeblichen Ammoniakquellen ansetzen. In der Tierhaltung sind das Fütterungsmaßnahmen (Multiphasenfütterung), bauliche Maßnahmen und organisatorische Maßnahmen. Für das Wirtschaftsdüngermanagement spielen die Abdeckung der Güllelagerbehälter, die Technik der Ausbringung (bodennah oder in den Boden) sowie die unmittelbare Einarbeitung von Gülle in den Boden die entscheidende Rolle. Eine sehr effektive Minderungsmethode ist die Abluftreinigung in zwangsbelüfteten Ställen, die Ammoniakemissionen um 70 bis 90 Prozent reduzieren“.

 

Von emissionsarmen Ställen sind wir in Deutschland noch sehr weit entfernt, denn es gibt keine Vorschriften zum Einbau von wirksamen Filteranlagen. Das Bundesumweltministerium möchte noch in dieser Legislaturperiode vor der Bundestagswahl 2017 in Abstimmung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium die Überarbeitung der technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) abschließen. Der Bundesrat muß dieser Novelle zustimmen. Folgende wesentliche Änderungen sind vorgesehen:

  • Reduktion des Staub- und Ammoniakausstoßes um 70 Prozent
  • Abstandsberechnungen für Stallanlagen werden überarbeitet
  • Stickstoffreduzierte Fütterung soll zusätzlich eine 20-prozentige Minderung der Ammoniakemissionen erreichen
  • Verminderung des Ammoniakausstoßes kommen auf genehmigungspflichte Ställe ab 1.000 Mastschweinen oder 500 Sauen zu
  • Betroffen sind Schweinemastställe mit mehr als 2.000 Plätzen, Zuchtsauenställe mit mehr als 750 Plätzen sowie Anlagen zur Ferkelaufaufzucht mit über 6.000 Plätzen sowie Geflügelhaltung
  • Neuanlagen und Erweiterung von Ställen unterliegen zukünftig der verpflichtenden Abluftreinigung – unabhängig von konkreten Umweltbedingungen am Standort
    Die sogenannte Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) soll in die TA Luft integriert werden
  • Verschärft werden sollen die Anforderungen zu Emissionsminderung bei Güllebehältern

 

Einige Bundesländer haben schon vor wenigen Jahren neue Regeln in sogenannten „Filtererlassen“ vorgegeben. Hierzu gehören NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Am Ende dieser Ausführungen finden Sie entsprechende Links zu den Filtererlassen.

 

Ab einem „Schwellenwert“ von mehr als 10 Tonnen freigesetztem Ammoniak im Jahr, müssen Betreiber eines Stalls dies dem Umweltbundesamt melden. Eine Vorschrift der EU fordert die Berechnung dieses Wertes anhand der Anzahl der Tiere. Dies gilt allerdings nur für Hühner- und Schweineställe. Bei Rindern fallen die gleichen Schadstoffe an, aber für Rinder gibt es keine EU-Meldepflicht, was wohl daran liegt, dass Rinder aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht in geschlossenen Ställen mit Be- und Zwangsentlüftung  gehalten werden dürfen. Konsequenzen aus dieser Meldepflicht gibt es auch nicht. Kontrollen finden kaum statt.

 

Wörtlich heißt es beim Umweltbundesamt:

„Des Weiteren müssen Betriebe der Geflügel- und Schweinehaltung, die unter die IED-Richtlinie fallen und einen festgelegten Emissionsschwellenwert (zum Beispiel für Ammoniak 10.000 kg/Jahr) überschreiten, beim Schadstofffreisetzungs- und verbringungsregister PRTR (Pollutant Release and Transfer Register) gemeldet sein. Das PRTR wird vom Umweltbundesamt geführt und veröffentlicht. Deutschland setzte mit dem PRTR ein entsprechendes UN-Protokoll auf der Grundlage der Genfer Luftreinhaltekonvention um. Die EU hat dieses Protokoll ebenfalls ratifiziert und wird ein europäisches PRTR aufbauen, das auch die deutschen Daten enthält“.

Auf dem Portal Thru.de des Umweltbundesamtes sind nähere Informationen zu finden, dort auch zu PRTR

 

Die NEC-Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe 2001/81/EG wird zur Zeit überarbeitet mit einer Zielsetzung für 2030. Eine kleine Anfrage  im Deutschen Bundestag gibt einigen Aufschluß über die zu bewältigende Problematik.

 

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An den Kosten für die Umweltverschmutzung müssen sich Viehalter mit grossen Stallemissionen und Landwirte mit Gülledüngung nicht beteiligen.

 

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Ammoniak reagiert mit Partikeln aus Verkehr und Industrie zu Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat und ist so Ursache für Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung der sekundären Feinstaubbildung. Abhängig von den gebildeten Verbindungen findet der Lufttransport über kürzere oder längere Distanz statt.

 

Bewährt haben sich inzwischen  Biofilter in der Landwirtschaft , die offenbar Vorteile gegenüber anderen z. B. „Rieselbettfilter“ vorweisen.
Das Thünen-Institut in Braunschweig vergleicht in einem  ForschungsReport .

 

Geruch von Stallluft oder Gülle ist ein direkter Hinweis auf das Vorhandensein von Ammoniak.

Direktes Einatmen hoher Konzentrationen kann zu Atemnot führen. Augenreizungen beim Menschen, starke Augenentzündungen der Schweine in den Ställen werden durch Ammoniak erzeugt. Aber vor allem kann die Bindung an sekundären Feinstaub zu großen gesundheitlichen Risiken führen.

 

Aufgrund dieser Bindung  -Übergang von gasförmigem NH3 an Partikel gebunden-  kann Ammoniak auch beträchtliche Entfernungen zurücklegen.

Die Landwirtschaft gilt als Feinstaubquelle Nr. 1 und ist somit an den enormen  Umweltfolgekosten durch Treibhausgase und Luftschadstoffe beteiligt. In Deutschland wurden 2011 über 563 Gigagramm (563 x 106 Kilogramm) Ammoniak in die Atmosphäre abgegeben, etwa 95 % davon stammten aus der Landwirtschaft. Zusätzlich ist Ammoniak auch eine der Hauptursachen der Versauerung und Überdüngung der Flächen mit daraus folgendem struppigem Bewuchs und Verlust von Lebensraum und Artenvielfalt.

 

Der durch Ammoniak verursachte Feinstaub in der Luft ist Ursache von Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen, er reduziert die Lungenfunktion und verursacht Krebs. Durch die Belastung der Atemluft mit Feinstaub kommt es jährlich allein in Deutschland zu mehr als 35.000 vorzeitigen Todesfällen.

 

Aufgrund des Zusammenhangs zwischen Feinstaub und Ammoniak aus der Viehzucht in Bezug auf die Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung werden Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse abgewartet werden müssen. Eine öffentliche Debatte über dieses Thema wird seit Jahren zum Teil kontrovers geführt.

 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beschreibt: „Wie Ammoniak unsere Umwelt vergiftet“ ……

…… und reicht eine Klage  Klage  gegen die Bundesregierung ein. Hier der Link zur Klageschrift

 

Lesenswert ist auch eine Veröffentlichung der IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam, Juni 2016)  Landwirtschaft, Ammoniak und Luftverschmutzung

 

Der jährliche Schaden durch landwirtschaftliche Ammoniakemissionen liegt in Deutschland bei mehr als 1.200 € pro Einwohner. Dänemark führt die Schadensliste an mit 1.600 € pro Einwohner.

 

Medizinische Dokumentationen lassen jedoch einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Lungenkrebs und der erhöhten Emission von Ammoniak vermuten. Immer mehr Meldungen über Reizungen der Augen und Atemwege, in der Zeit der Gülle-Saison, auch „Frühlings-Smog“ genannt, erreichen die Öffentlichkeit. Diese Saison bereitet Lungenpatienten einen negativen Einfluss auf das Wohlergehen, denn die Auswirkungen durch Ammoniakbelastung sind ja vergleichbar mit denen der Emissionen des Verkehrs in den Städten.

 

Ein Beispiel ist die  Loftus Studie 2015 , wobei amerikanische Kinder mit Asthma mehrere Monate beobachtet wurden. Während dieser Zeit wurden Asthmaanfälle und die Verwendung von Medikamenten registriert und die Lungenfunktion gemessen. Veränderungen der Lungenfunktion hingen stark zusammen mit der Höhe von NH3-Belastung, die in hohen Maße durch die Anwesenheit von Betrieben mit intensiver Viehhaltung bestimmt wurde.

 

Ammoniak (NH3) kann, nach den Reaktionen im Boden, eine zu hohe Konzentration an Nitraten in Gemüse verursachen. Der Verzehr von nitratreichem Gemüse kann die Bildung von Nitrit und nachfolgend Nitrosamin im Körper verursachen, was wiederum Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

 

In wie weit ein Überangebot an Nitraten bei Pflanzen – als unterste Stufe in der Kette – Folgen für Tierarten hat, ist noch nicht ganz klar, obwohl es logisch erscheint, dass Arten, die auf nährstoffarme Ökotope angewiesen sind, unter Druck stehen.

 

Darüber hinaus werden chemische Strukturen identifiziert, die als Nicht-Protein-Stickstoff (NPN) katalogisiert werden. Diese werden von Tieren nicht gut verdaut und sorgen für eine geringere Nährstoffqualität der Pflanze.

 

Andere Effekte sind bis heute noch wenig erforscht.
Für den braunen Feuerfalter der sich von Sauerampfer ernährt, ergeben sich beim Fressen Störeffekte: die Raupen wachsen schneller und haben eine kürzere Entwicklungszeit, aber sie sterben zweimal schneller in der Raupen- und Verpuppungsphase. Dass diese Effekte sich auch auf die „höheren“ Arten auswirken könnten, scheint unvermeidlich, aber die Zusammenhänge sind noch wenig erforscht.

 

Linksammlung zu den Filtererlassen:

NRW Erlass Erlass Tierhaltungsanlagen

NRW Pressemitteilung

Niedersachsen Filtererlass 1

Niedersachsen Filtererlass 2

Niedersachsen Pressemitteilung

Thüringen Pessemitteilung

Schleswig Holstein Pressemitteilung

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das Bundes Immissionsschutz Gesetz (BImSchG) und die Verordnung zur Geruchsimmissions-Richtlinie -GIRL hingewiesen.