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Arzneimittelrückstände gelangen aus Haushalten über die Kanalisation in die Kläranlagen und sind schon seit Jahrzehnten ein großes Problem für die Wasserwerker.

Mit zunehmendem Fleischverzehr besteht die Gefahr, der Aufnahme von Arzneimittelrückständen, insbesondere von Antibiotika.

 

 

Mit der Güllewelle gelangen Arzneimittelrückstände in die Böden und in die Gewässer, was noch eindeutig zu beweisen wäre, sagt das Umweltbundesamt. Viele Experten jedoch sehen diese Gefahr als längst bestätigt und warnen eindringlich vor den Folgen.

 

 

Das Fraunhofer Institut ist im Auftrag des Umweltbundesamtes an der Entwicklung einer Testrichtlinie zum Verbleib von Tierarzneimitteln in Gülle beteiligt:

„Ein wichtiger Eintragspfad von Veterinärpharmazeutika in die Umwelt ist die Ausbringung über Gülle. Hierzu wurde 2011 von der European Medicines Agency (EMA) ein Guidance Document verabschiedet, das den Rahmen zur Ermittlung des Verhaltens von Tierarzneimitteln in Gülle vorgibt. Eine Prüfrichtlinie zur Umsetzung des Guidance Documents wird derzeit unter intensiver deutscher Beteiligung (Umweltbundesamt) erarbeitet. Vorbereitende experimentelle Untersuchungen führt das Fraunhofer IME zurzeit gemeinsam mit weiteren deutschen Partnern im Auftrag des Umweltbundesamtes durch.

 

Aus diesem Grund ist es vorgesehen, für die Risikobewertung von Tierarzneimitteln Abbaustudien in Gülle durchzuführen.

 

Seit einigen Jahren muss das Verhalten von Tierarzneimittel Wirkstoffen in der Umwelt untersucht werden, da als relevanter Eintragspfad in die Umwelt die Ausbringung von Exkrementen behandelter Nutztiere auf landwirtschaftlich genutzte Flächen identifiziert wurde. Nach erster Abschätzung könnten dabei durchaus Konzentrationen erreicht werden, die in der Größenordnung vergleichbar Konzentrationen von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen auf behandelten Böden sind. Größtenteils unbekannt ist dabei zurzeit noch, wie sich die Wirkstoffe in den Gülletanks verhalten. In der biologisch hoch aktiven Gülle kommt es unter Umständen zu einem raschen biologischen Abbau der Wirkstoffe, was bei einer Bewertung des Risikos der Stoffe für die Umwelt natürlich berücksichtigt werden muss. Möglich ist aber auch, dass die Wirkstoffe in die Güllematrix eingelagert werden und später bei deren Zersetzung wieder freigesetzt werden“.

 

Gesundheitsgefährdung durch Arzneimittelrückstände

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Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden 2012 in Deutschland rund 1.619 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, das entspricht etwa dem Zwei- bis Dreifachen des Antibiotikaeinsatzes in der Humanmedizin (630 Tonnen). Die antibiotischen Wirkstoffe werden nur zu einem geringen Anteil im Organismus abgebaut, so dass je nach Wirkstoff etwa 60 bis 80 Prozent der verabreichten Menge unverändert mit dem Kot und Urin der Tiere ausgeschieden wird. Mit der Gülle gelangen sie dann auf die Böden und können in sehr ungünstigen Einzelfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden. Bisher gibt es weder einen Grenzwert für solche Stoffe in der deutschen Grundwasserverordnung noch in der Trinkwasserverordnung.

 

Wie groß ist die Gefahr, dass Arzneimittelrückstände vom Acker in das Grundwasser gelangen?
Eine neue Studie des Umweltbundesamtes gibt zunächst Entwarnung. Nach ersten Erkenntnissen scheinen die Substanzen aus dem Boden nicht in das Grundwasser zu gelangen? Was noch zu beweisen wäre,

 

Dennoch rät der Vizepräsident des Umwelt Bundesamtes (UBA), Thomas Holzmann:

Aus Vorsorgegründen sollten wir den Grenzwert für Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) im Grundwasser auch auf Tierarzneimittel übertragen.

Bei Überschreitungen hätten die Länder so eine Rechtsgrundlage für adäquate Maßnahmen, um das Grundwasser zu schützen. Im Einzelfall denkbar ist etwa, mit der Gülleausbringung zu warten, ganz auf sie zu verzichten oder mit antibiotikafreiem Mineraldünger zu düngen.“

 

Als Kriterien für eine hohe Gefährdung von Grundwasser könnte gelten, was das UBA in seiner Studie zugrunde legte:

  • In der Region (Einzugsgebiet der Messstelle) findet eine intensive Tierhaltung statt und es werden große Mengen an Gülle ausgebracht,
  • Die Stickstoff-Gehalte im Grundwasser sind hoch, deuten auf intensive landwirtschaftliche Nutzung hin und zeigen, dass eine signifikante Stoffverlagerung ins Grundwasser erfolgt,
  • Die Böden sind sandig und gut durchlässig, d.h. sie bilden nur einen geringen natürlichen Schutz für das Grundwasser
  • Der Grundwasserflurabstand ist gering und
  • Die Grundwasserneubildung bzw. die Auswaschungsrate ist hoch.

 

Mögliche Gesundheitsgefahren durch Gülle werden hier in einem ausführlichen Power Point Vortrag von unserem Vorstandsmitglied Reinhold Hermann erläutert.

 

Eintrag von Medikamentenrückständen in die Nahrungskette

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt eindringlich vor weltweitem Missbrauch von Antibiotika in Massentierhaltungen
Massentierhaltung (Monokultur) führt sehr häufig zu bedrohlichen Erkrankungen der Tiere, die nur mit hohen Antibiotikagaben bekämpft werden können.

Staatssekretär Dr. Thomas Griese aus dem Umweltministerium in Mainz bestätigte auf einer Diskussionsveranstaltung im Ringener Bürgerhaus, dass Tierärzte viel zu schnell und massiv Antibiotika einsetzen.
Sie verschreiben in Deutschland die Medikamente nicht nur, sondern verkaufen sie auch. Schwarze Schafe unter den Veterinären tun das auch gerne in großen Mengen, denn dann gibt es Rabatt von der Pharmafirma. Eine lukrative Einnahmequelle.

Über die Nahrungskette gelangen Antibiotika in unseren Körper, über die Gülle werden multiresistente Erreger auf die Äcker und höchstwahrscheinlich ins Grundwasser geschwemmt. Boden- und Gewässerorganismen sterben ab. 

 

Bakterien werden durch genetische Veränderungen quasi immun gegen die chemische Keule. Es können einfachste Infektionen nicht mehr behandelt werden, die wichtigste Waffe gegen Infektionen wird stumpf.

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An Infektionen mit Multiresistenten Keimen sterben in Deutschland jährlich bis zu 30.000 Menschen. Die Angaben hierzu schwanken. Das Nationale Referenzzentrum, Charité Berlin spricht von etwa 6.000 Todesfällen, die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht von etwa 30.000 Toten. Hierzu gibt es keine Meldepflicht und die Zahlen bleiben ungenau. Sogenannte „Reserve-Antibiotika“ verlieren an Wirkkraft z. B. beim Einsatz für Intensivpatienten, Organtransplantierte oder Verbrennungsopfer.

 

Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit MRSA-Risikogruppen erstellt. Landwirte und Tierärzte sind häufig betroffen. Bei Menschen in Regionen mit hoher Tierdichte kommen resistente Keime häufiger vor. In der Tiermedizin werden erheblich mehr Antibiotika eingesetzt als in der Humanmedizin. Weltweit ist das Verhältnis etwa 2:1 vermeldet Germanwatch.

Die Bauern müssen ihre Tiere gesund halten, denn im Preiskampf müssen sie möglichst billig produzieren. Dazu sind Antibiotika die einfachste und billigste Lösung.

„Doch am Ende sind die Landwirte womöglich selbst die Leidtragenden und die Verbraucher mit ihnen. Wer billiges Schweinefleisch essen will, müsse das akzeptieren, erklären die Landwirte. Nach Untersuchungen sind es gerade Menschen aus der Landwirtschaft, die resistente Keime, sogenannte „Stallkeime“ (MRSA), mit sich tragen. In der Regel werden sie erst beim Routinetest im Krankenhaus erkannt. Dies bedeutet für Krankenhäuser ein sehr hohes Risiko, denn einmal von außen eingeschleppt sind sie trotz Hygienemaßnahmen äußerst schwer zu bekämpfen. Ebenso können diese Keime für einen „Träger“-Patienten lebensbedrohliche Auswirkung haben, wenn im Falle einer anderen zu behandelnden Infektionskrankheit mit Antibiotika durch die vorhandenen Resistenzen die Wirkung ausbleibt“.

Selbst über die Zubereitung von rohem Fleisch können resistente Keime beim Menschen landen. Schneidet man nach der Fleischzubereitung mit dem gleichen Messer Gemüse od. Tomaten, so können über diesen Weg die Keime schließlich beim Essen in unseren Körper gelangen. Bei Studien waren immer wieder extreme Antibiotika-Konzentrationen in deutschem Discount-Fleisch gefunden worden, eine „tickende Zeitbombe“.

 

In diesem Zusammenhang sei noch auf eine Begriffsklärung hingewiesen:
MRSA = Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, mehr dazu siehe unter folgendem  Link

MRE    = Multiresistente Erreger, mehr dazu siehe unter folgendem  Link

 

In Dänemark läuft mittlerweile der Versuch, antibiotikafreies Fleisch im großen Stil zu erzeugen. Durch intensive Beobachtung der Tiere und mehr Hygiene versucht man, die Schweine gesund zu halten. Bei etwa 60 % der Tiere gelingt der gesamte Mastdurchgang ohne Antibiotika. In Milligramm benutzt Deutschland im Vergleich zu Dänemark dreimal so viel Antibiotika pro Kilogramm Biomasse. Reserveantibiotika im Tierstall sind in Dänemark ohnehin ein Tabu.

 

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Nach einer Untersuchung eines internationalen Forscherteams, das seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichte, liegt Deutschland mit dem vierthöchsten Antibiotikaeinsatz in der Tiermast weltweit.

Für das Jahr 2010 errechneten die Forscher den globalen Mittelwert für Antibiotika in:

Rindfleisch  45 mg/kg

Huhn            148 mg/kg

Schwein      172 mg/kg

 

Zum Vergleich:
Ein an einer Atemwegserkrankung mit dem Antibiotikum Amoxicillin behandelter Mensch mit 70 kg Körpergewicht nimmt 3x täglich 750 mg (bis 1.000 mg bei Bedarf) ein. Daraus errechnen sich pro kg Körpergewicht 32,14 mg Antibiotikum im Therapiefall.

Noch Fragen?

 

Weitere sehr informative Links zum Thema:

In Gülle lauern gefährliche Bakterien
Eine Bericht des SWR über „Resistente Keime im Acker“

Wenn mit der Gülle auch Keime auf Äcker kommen
Die WELT mit einem Bericht aus der Wissenschaft

Tierstall und Gemüsefeld – Wo resistente Keime lauern – Ein Forschungsverbund auf Spurensuche
Bundesministerium für Bildung und Forschung