Basis der DüV ist das  Düngegesetz
Die EU Nitrat-Richtlinie wird in Deutschland mit der Düngeverordnung  in nationales Recht umgesetzt.

Als Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Landwirtschaft wurde am 27. März 2020 die Novelle der Düngeverordnung im Bundesrat verabschiedet und durch die Übernahme in das Bundesgesetzblatt erlangt die Düngeverordnung mit Wirkung vom 1. Mai 2020 Gültigkeit.

 

 

 

Die hier angegebenen Fakten sind der Novelle der Düngeverordnung entnommen und erklären dem interessierten Leser einige Verordnungen, die für uns als Bürgerinitiative bezüglich Gülledüngung von Interesse sind.
Für eingehende fachliche und praxisbezogene Daten sei auf den Text der DüV hingewiesen.

 

 

Grundsätze für die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln:
„Die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln ist unter Berücksichtigung der Standortbedingungen auf ein Gleichgewicht zwischen dem voraussichtlichen Nährstoffbedarf der Pflanzen einerseits und der Nährstoffversorgung aus dem Boden und aus der Düngung andererseits auszurichten ….“

Dazu sind bei den Stickstoffbedarfswerten insbesondere zu berücksichtigen:

  • die Stickstoffmengen, die im Boden verfügbar sind,
  • die Stickstoffmengen, die während des Pflanzenwachstums zusätzlich pflanzenverfügbar werden,
  • die Nachlieferung von Stickstoff aus der Anwendung von Düngemitteln im Vorjahr und aus Vor- und Zwischenfrüchten

 

 

Die Sperrfristen für die Ausbringung von Gülle :

      • Ackerland: nach der Ernte der Hauptfrucht bis 31. Januar
      • Für Dauergrünland und mehrjährigen Feldfutterbau (Aussaat bis 15. Mai) gilt eine Sperrfrist vom 01. November bis 31. Januar. Achtung: In nitratbelasteten Gebieten gilt auf Grünland eine längere Sperrfrist vom 15. Oktober bis 31. Januar
      • Festmist und Kompost: 15. Dezember – 15. Januar
      • Einführung einer Sperrfrist für alle phosphathaltigen Düngemittel (01.12. bis 15.01.).
      • die zuständigen Behörden können Beginn/Ende jeweils auf Antrag um bis zu vier Wochen verschieben. Eine Verschiebung der Sperrfrist kann nur in besonders begründeten Fällen genehmigt werden.

 

 

Was oben unter „Ackerland nach der Ernte der Hauptfrucht bis 31. Januar“ zu verstehen ist, beschreibt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen verständlich:

„Nach den Vorgaben der Düngeverordnung beginnt die Sperrfrist für N-haltige Dünger auf Ackerland mit der Ernte der letzten Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Abweichend von diesem Grundsatz dürfen auf Ackerland, ausschließlich nach Getreidevorfrucht, Stickstoffdünger bis zum 01. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste ausgebracht werden. Voraussetzung ist, dass eine Aussaat der Zwischenfrüchte, des Winterrapses und des Feldfutters bis zum 15. September und die Gerstenaussaat bis zum 01. Oktober vollzogen sein muss.

Durch die Nennung der Aussaatzeitpunkte will der Gesetzgeber sicherstellen, dass ein ausreichender Pflanzenaufwuchs vor Winter vorhanden ist und somit der ausgebrachte Stickstoff von den Pflanzen aufgenommen werden.

Es ist zu berücksichtigen, dass abweichend von den bisherigen Regelungen eine Stickstoffdüngung im Spätsommer/Herbst nach einer Getreidevorfrucht zu den Wintergetreidearten Roggen, Weizen und Triticale nicht mehr zulässig ist, sondern nur noch Wintergerste und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen mit N versorgt werden darf.

Eine Stickstoffdüngung nach Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Feldgemüse, Leguminosen und Gras oder zur Förderung der Strohrotte ist wegen fehlendem N-Düngebedarf grundsätzlich verboten“.      (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen)

 

 

In einer schematischen Übersicht hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine gut verständliche Übersicht zusammengestellt.

Wie die neue Düngeverordnung im Vergleich zu früher deutlich in die Herbstdüngung eingreift, beschreibt ein Bericht in Agrarheute

 

 

Das Aufbringen auf überschwemmte, wassergesättigte, gefrorene oder schneebedeckte Böden:
„Das Aufbringen von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen,Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln darf nicht erfolgen, wenn der Boden:

  • überschwemmt,
  • wassergesättigt
  • gefroren oder schneebedeckt ist.
  • Stichwort schneebedeckter Boden

→ Als schneebedeckt gilt ein Boden, dessen Oberfläche durch Schneeauflage nicht mehr zu erkennen ist.
Auf diesen Flächen und Teilflächen eines Schlages darf kein  Dünger ausgebracht werden.

  • Stichwort gefrorener Boden

Eine wesentliche Anpassung der DüV 2020 ist die Einführung eines Düngeverbotes auf gefrorenem Boden!
Oftmals wurden in den vergangenen Jahren aus Sicht des Bodenschutzes und der N-Effizienz  Bodenfrosttage bei den 1. Düngegaben genutzt.
In diesen Situationen galt es gemäß DüV 2017 einige Regeln zu beachten, z. B., dass der Boden durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig wird
(Nachweis durch DWD -Deutscher Wetterdienst-Prognose).
Die Nutzung der DWD-Prognose ist im Rahmen der DüV 2020 nicht mehr regelkonform!
                                                                                                                                                               Quelle: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

 

 

Anpassung Definition gefrorener Boden Stand 19.01.2021

Es gilt fortan, insbesondere zur beginnenden Düngesaison 2021:
Auch wenn leichte Nachfröste im oberen Boden zu einem entsprechenden Frostbelag führen, darf eine Düngung nicht erfolgen. Maßgeblich ist der Zustand während der Aufbringung und nicht die Frage, ob der Boden tagsüber komplett frostfrei wird.
Somit dürfen N- und P-Düngegaben, seien sie mineralisch oder organisch, nur in den bodenfrostfreien Tagesabschnitten erfolgen, beziehungsweise müssen, je nach Frostsituation, einige Tage oder Wochen nach hinten verlagert werden. Einen Interpretationsspielraum für die aus schleswig-holsteinischer Sicht typischen leichten Frostnächte ist damit nicht mehr gegeben, auch wenn dies bedeutet, dass eine fachlich nachweisbare hohe Nährstoffeffizienz damit nicht genutzt werden kann.
Quelle: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

 

 

Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost:
Generell darf auch die Aufbringung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost nicht mehr wie in der alten Düngeverordnung auf (z. B. mit einer Zwischenfrucht) bewachsenem Boden erfolgen, sofern der Boden gefroren ist!

 

 

 

Mindestabstände zu Gewässern sind zu beachten:

  • direkte Einbringung von Nährstoffen ist unbedingt zu vermeiden
  • Geländegefälle zu Gewässern muss berücksichtigt werden.
  • es darf kein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder benachbarte Flächen, insbesondere in schützenswerte natürliche Lebensräume erfolgen.

 

 

Beispiel Foto für Technik der Breitvereilung (Prallteller)
für Gewässerabstand 5 m

© Fotolia
Gespann mit Schwenkverteiler © Fotolia

 

Breitverteilungstechnik ist ab 2025 gänzlich verboten.

 

Beispielfotos für Techniken Schleppschlauch, Schleppschuh und Direkteinarbeitung (Injektion) für Gewässerabstand 1 m

 

Gewässerabstände :  (Quelle: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein)

  •   5 m ohne Düngung zwischen Ausbringungsfläche und Böschungsoberkante des Gewässers mit Breit-/Schwenkverteiltechnik
  •   1 m ohne Düngung zwischen Ausbringungsfläche und Böschungsoberkante des Gewässers wenn Streubreite der Arbeitsbreite entspricht oder Grenzstreueinrichtung vorhanden ist mit Injektions-/Schlitztechnik oder
    Schleppschlauch.
  •   3 m ohne Düngung zwischen Ausbringungsfläche und Böschungsoberkante des Gewässers bei Flächen ab 5 % Hangneigung (gemessen innerhalb von 20 m zur Böschungsoberkante).
  •   Zusätzlich sofortige Einarbeitungspflicht für Düngemittel bei Flächen ab 5 % Hangneigung auf unbestelltem Ackerland (gilt für den Abschnitt von 3 m bis 20 m zur Böschungsoberkante); auf bestellten Ackerflächen
    ist die Düngung bei Reihenkultur ≥ 45 cm Reihenabstand nur mit Untersaat oder sofortiger Einarbeitung, ohne Reihenkultur nur bei hinreichendem Pflanzenbestand bzw. Mulch-/ Direktsaat zulässig.
  •  10 m ohne Düngung zwischen Ausbringungsfläche und Böschungsoberkante des Gewässers bei Flächen ab 10 % Hangneigung (gemessen innerhalb von 30 m zur Böschungsoberkante).
  •   Aufteilung der Düngegabe ab einer Hangneigung von 10 % (gilt für den Abschnitt von 10 m bis 30 m zur Böschungsoberkante), wenn der Düngebedarf mehr als 80 kg N/ha beträgt.
  •   Zusätzlich sofortige Einarbeitungspflicht für Düngemittel auf dem ganzen Schlag bei Flächen ab 10 % Hangneigung (innerhalb von 30 m zur Böschungsoberkante) auf unbestelltem Ackerland.

 

Dazu eine übersichtliche Graphik

 

 

Einarbeitungszeit von Gülle:

Wer organische, organisch-mineralische Düngemittel, einschließlich Wirtschaftsdünger, jeweils mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff auf unbestelltes Ackerland aufbringt, hat diese unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb von vier Stunden nach Beginn des Aufbringens einzuarbeiten. Gilt nicht für:

          • Festmist von Huftieren oder Klauentieren,
          • Kompost sowie
          • organische oder organisch-mineralische Düngemittel mit einem festgestellten Gehalt an Trockenmasse von weniger als zwei vom Hundert.

Die Einarbeitungsfrist darf nur überschritten werden, wenn sie wegen Nichtbefahrbarkeit des Bodens infolge nicht vorhersehbarer Witterungsereignisse, die nach dem Aufbringen eingetreten sind, nicht eingehalten werden kann. Die Einarbeitung muss unverzüglich erfolgen, nachdem die Befahrbarkeit des Bodens wieder gegeben ist.

 

 

Lagerung von flüssigen Wirtschaftsdüngern:
Bundeseinheitliche Vorgaben für das Fassungsvermögen von Anlagen zur Lagerung von flüssigen Wirtschaftsdüngern und flüssigen Gärrückständen aus dem Betrieb einer Biogasanlage (grundsätzlich größer als benötigte Kapazität zur Überbrückung der Sperrfristen, mindestens jedoch sechs Monate, Betriebe mit hohem Tierbesatz oder ohne eigene Ausbringungsflächen müssen ab 2020 mindestens neun Monate Lagerkapazität vorweisen) sowie Festmist, festen Gärrückständen und Kompost (zwei Monate) werden eingeführt.

 

Merkblatt
LAWA Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
Wasserwirtschaftliche Anforderungen  an die Lagerung von Silage und Festmist auf landwirtschaftlichen Flächen unter sechs Monaten

 

Rechtsverordnungen der Länder:
Die Länder werden verpflichtet (§ 13), in Gebieten mit hoher Nitratbelastung (37,5 mg/Nitrat je Liter) und eine ansteigende Tendenz des Nitratgehalts oder mehr als 50 mg/ Nitrat je Liter festgestellt worden sind, sowie in Gebieten, in denen stehende oder langsam fließende oberirdische Gewässer durch Phosphat, was nachweislich aus der Landwirtschaft stammt, eutrophiert sind, zusätzliche Maßnahmen per Rechtsverordnung aus einem vorgegebenem Katalog zu erlassen.

 

In der Düngeverordnung gibt es leider kein Verbot einer Ausbringung bei hohen Temperaturen, jedoch empfehlen einige Landwirtschaftskammern und Aufsichtsbehörden möglichst keine Ausbringung bei:

          • Temperaturen oberhalb von 25°C
          • lang anhaltender Trockenheit und Windstille
          • hohen Windgeschwindigkeiten (verstärkte Ammoniakfreisetzung)

Nährstoffverluste (Stickstoff) und Geruchsbelästigungen (Ammoniakverflüchtigungen) müssen unbedingt vermieden werden.

 

Unsere Erfahrung in der Grafschaft zeigt, dass sich die Landwirte um diese Empfehlung herzlich wenig kümmern mit der Folge von Treibhausgas-Emissionen!

 

Einige Landwirtschaftskammern empfehlen ihren Landwirten, auf die Ausbringung von Freitagmittag bis Montagfrüh auf Flächen, die dichter als 500 Meter an eine Wohnbebauung grenzen, wegen starker
Geruchsbelästigung der Anwohner zu verzichten.

 

Leicht-Regentage, soweit die Flächen befahrbar sind, begünstigen die Aufnahme im Boden und reduzieren die Ammoniakverflüchtigung und damit auch den Geruch.

 

Pflichten der Landwirte vor/bei der Düngung:

          • Nährstoffvergleiche und ihre Ausgangsdaten müssen jährlich angefertigt werden, aus denen die Nährstoffbilanz des Betriebs hervorgeht.
          • Düngebedarfsermittlung für Stickstoff ist auf den eigenen Flächen jährlich zu ermitteln, oder alternativ können die Untersuchungsergebnisse vergleichbarer Flächen herangezogen werden.
          • Eine Phosphorbedarfsermittlung muß nur alle 6 Jahre erfolgen.
          • Nährstoffgehalte der Wirtschaftsdünger müssen vor der Ausbringung ermittelt werden.

 

Aufzeichnungen und Nachweispflicht der Landwirte:
Dokumentation bis zum 31. März des Folgejahres für das abgelaufene Düngejahr. Die Aufbewahrungsfrist beträgt sieben Jahre. Muß auf Anforderung der Aufsichtsbehörde zur Bewertung vorgelegt werden.

 

Zuständige Aufsichtsbehörden in Rheinland-Pfalz:
Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD)
in Trier mit Zweigstelle in Koblenz. Sie ist zuständig für Genehmigungen, Anordnungen Kontrollen und Ahndungen von Ordnungswidrigkeiten.

Im Merkblatt zu Düngemittel-Rechtsbereiche u. Zuständigkeiten in Rheinland-Pfalz ist das Aufgabengebiet der ADD zusammengefasst.

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) steht den Landwirten mit beratender Funktion zur Seite.


Fachrechtskontrollen:
das sind Vor-Ort-Kontrollen der Betriebsunterlagen und Kontrollen direkt bei der Anwendung durch die ADD, die die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben prüft. Diese landwirtschaftlichen Betriebe werden von der ADD selbst ausgewählt. Bei festgestellten Verstößen wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Auch bei Hinweisen aus der Bevölkerung werden ggf. Fachrechtskontrollen durchgeführt.Cross Compliance Kontrollen:
Nach dem Zufallsprinzip werden 1% der zu kontrollierende Betriebe, die spezielle Fördermaßnahmen erhalten, vom Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft in Mainz ausgesucht und für eine Überprüfung an die ADD weiter gegeben. Siehe auch unter Cross Compliance KontrollenVormals auffällige Betriebe mit festgestellten Verstößen stehen unter weiterer Kontrolle.Cross-Checks sind Kontrollen durch Hinweise von Kontrolleuren eines anderen Fachgebiets denen außerhalb ihres Bereichs Mißstände auffallen.

§ 14 Ordnungswidrigkeiten
Eine Geldbuße von bis zu 150 000 Euro soll verhängt werden können, wenn Landwirte gegen das Aufbringungsverbot während der Sperrzeiten sowie für wassergesättigte, überschwemmte, gefrorene oder schneebedeckte Böden verstoßen. Auch Verstöße gegen die Mindestlagerkapazität sollen bis zu dieser Höhe geahndet werden können. Weitere Geldbußen bei anderen Ordnungswidrigkeiten können in einzelnen Fällen bis zu 10.000 Euro und weiter auch bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

 

Links:

Landwirtschaftskammer NRW mit Überblick über neue DüV

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/duengung/duengeverordnung/duev-2020.htm

 

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mit Überblick über neue DüV

https://www.lksh.de/landwirtschaft/duengung/neue-duengeverordnung-im-ueberblick/

 

Kompakt: Die wichtigsten Vorgaben der Düngeverordnung 2020

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/pdf/duev-2020-kompakt.pdf