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Feinstaub ist ein Cocktail ganz unterschiedlicher Substanzen in der Luft und nahezu unsichtbar.
Wir atmen täglich 13 kg Luft ein!

Laut Hochrechnung des Max-Plank-Instituts für Chemie in Mainz beträgt die Todesrate in Deutschland jährlich 35.000 und weltweit 3,3 Millionen Tote durch Feinstaub

 

 

 

Ursachen kommen auch aus der Landwirtschaft !

Der Feinstaub in der Luft ist zum Teil natürlichen Ursprungs, wie Bodenstaub (der jedoch kontaminiert sein kann), Meersalz und Pflanzenmaterial, und teilweise als Folge von Aktivitäten durch menschliches Handeln, Rußteilchen, Reifenabrieb, Industriestaub, Stallstaub und Feldbearbeitung.

Intensivierter Ackerbau und größere Tierbestände lassen auch die Ammoniakfreisetzung in die Höhe schnellen. Ungünstigerweise geht Ammoniak gerne eine Koalition mit anderen Luftverschmutzern ein. Zusammen mit Schwefeldioxid und Stickoxiden bildet es sekundäre Feinstäube.

Eine Veröffentlichung der IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies, Potsdam, Juni 2016)  Landwirtschaft, Ammoniak und Luftverschmutzung sagt:

„Um Feinstaubkonzentrationen wirkungsvoll zu verringern, muss der Ausstoß nicht nur von Ammoniak, sondern auch von Stickoxiden und Schwefeldioxiden deutlich gesenkt werden. Denn diese drei Stoffe sind Vorläufer für die Bildung von sogenannten sekundären anorganischen Aerosolen, die zur Feinstaubbelastung einen erheblichen Beitrag leisten“.

 

 

 

 Zu 55% zählen folgende Hauptverursacher in Deutschland:

  • Kohle Kraftwerke
  • Schiffs- LKW- PKW- Verkehr
  • Chemiewerke und Raffinerien
  • Stahlindustrie und Metallverarbeitung

 

  • und zu 45% belastet in Deutschland die Landwirtschaft die Umwelt mit Feinstaub, hauptsächlich durch Ammoniakemissionen aus der Intensiv-Viehaltung und Gülle, die sich mit Staubpartikeln zu sekundärem Feinstaub verbinden.

 

Feinstaub ist eine Sammelbezeichnung für Partikel in der Luft mit unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Zusammensetzung. Die Größe der Partikel bestimmt, wie tief sie in unsere Atemwege eindringen können. In Kombination mit der Zusammensetzung bestimmt dies, zu welchen Auswirkungen das führen kann. Hier gilt, je kleiner die Partikel sind, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen und umso mehr Schaden können sie verursachen.

 

Je nach Durchmesser der Staubteilchen spricht man von:

  • PM 10 für Teilchen mit einem Durchmesser bis zu 10 Mikrometer und werden als primäre Emissionen direkt in die Atmosphäre abgegeben.
  • PM 2,5 für Teilchen mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 Mikrometern, sogenannter sekundärer Feinstaub.
    Entstehung durch luftchemische Prozesse aus gasförmig emittierten Vorläufersubstanzen (z.B. Ammoniak, Schwefeldioxid, Stickstoffoxide).
    In der Fraktion PM 2.5 wird auch noch unterschieden zwischen PM 1 und den sogenannten ultrafeinen Teilchen mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer.

 

Die Teilchen mit weniger als 10 Mikrometer dringen bis tief in die Atemwege und werden auch als die „einatembare Fraktion“ bezeichnet.

 

Quelle. Umwelt-Bundesamt http://www.umweltbundesamt.at/umwelt/luft/luftschadstoffe/staub/

 

Der Beitrag der Landwirtschaft an der gesamten Emission von Feinstaub, die TSP (=Total Suspended Particles = Masse des Gesamtstaubes, auch Schwebestaub genannt), beträgt für die Landwirtschaft (Ackerbau und Viehzucht) 30% der gesamten Emissionen. Je nach Region kann der Anteil auch höher oder niedriger liegen.

 

In der Viehzucht und Ackerbewirtschaftung zusammen bestehen die Feinstaubpartikel aus Ställen in erster Linie aus fäkalen Teilchen, Haut- und Federpartikel und Futterbestandteilen, mit allem, was sich darin an lebendem und totem organischem Material befinden kann.

Die Konzentration in den Viehzuchtbetrieben hängt dann wiederum von der Art der Tiere, ihrer Zahl, ihrer Unterbringung (alte oder neue Stallungen, Auslauf) und der Jahreszeit ab.

Eine Niederländische Studie, die verschiedene Regionen untersuchte, zeigt an, dass Nord-Brabant, Limburg und Gelderland, wo die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die Tierdichte im Vergleich zu anderen Provinzen sehr hoch ist, der Anteil von Feinstaub aus der Landwirtschaft höher ist. Verbreitungsberechnungen zeigen, dass bis zu einer Entfernung von 150 Metern der zusätzliche Beitrag der Intensivtierhaltung an der Feinstaubkonzentration gut messbar ist.

Diese Studie zeigte auch, dass die PM 10-Staubkonzentration in der Umgebung von Viehbetrieben höher war als das städtische Hintergrundniveau. Regional und lokal bedeutet dies, dass in Konzentrationsgebieten intensiver Viehhaltung der kumulative Beitrag von Fein-staub so hoch sein kann, dass die Grenzen für Feinstaub überschritten werden. Dies gilt insbesondere in Geflügelfarmen, die den täglichen durchschnittlichen Standard von 50 μg /m3 öfter als die erlaubten 35 Tage pro Jahr überschreiten.

 

Zur Information:

In der EU-Richtlinie 1999/30/EG wurden folgende Grenzwerte für Feinstaub PM 10 festgelegt:

  1. Der seit dem 1. Januar 2005 einzuhaltende Tagesmittelwert für PM 10 beträgt 50 µg/m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr.
  2. Der Jahresmittelwert für PM 10 beträgt 40 µg/m³.
    Zum Vergleich: die WHO empfiehlt einen Wert von 20 μg /m3

2007 beschloss das EU-Parlament mit der Richtlinie 2008/50/EG verpflichtende Obergrenzen für Kleinstpartikel PM 2.5:

  1. Seit 2010 gilt ein Zielwert für PM 2.5 in Höhe von 25 µg/m³ (dieser Wert ist anzustreben, er ist nicht verbindlich).
  2. Ab 2015 gilt ein Grenzwert für PM 2.5 in Höhe von 25 µg/m³.
  3. Ab 2020 wird dieser Grenzwert für PM 2.5 auf 20 µg/m³ abgesenkt. Zum Vergleich: die WHO empfiehlt heute schon einen Wert von 10 μg /m3

 

Des Weiteren sei bemerkt, dass es für einige Substanzen noch gar keine WHO und EU-Standards gibt, obwohl die Zusammensetzung des Feinstaubs eine hohe Korrelation mit den Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Feststellen muß man, dass es einen großen Bedarf für ein Monitoring-Netzwerk für Feinstaub in den intensiven Ackerbau- und Viehzuchtgebieten gibt. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um Normen und Richtwerten zu festzusetzen.

Für die Beurteilung der gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub ist sowohl die Menge an Feinstaub, als auch die Zusammensetzung und Größe der Partikel von Interesse. Der Beitrag der Tierbetriebe an der lokalen Luftqualität variiert nach Stalltypus, Anzahl der Tiere und Tierart. Weiterhin ist bekannt, dass die Feinstaubbelastung bei Geflügelzucht größer ist als bei Schweinen. Der Feinstaub aus Tierställen besteht aus gröberen Teile und enthält allerlei biologische Agenzien im Vergleich mit Feinstaub der beim Verkehr entsteht.

Das Verhältnis PM 2.5 / PM 10 von Emissionen aus Tierhaltungsbetrieben liegt im Vergleich niedriger (ca. 30%) zu dem Verhältnis, wie dies von Verkehrsemissionen (60-70%) bekannt ist. Ob dies bedeutet, dass die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub-belastung durch der Landwirtschaft, sich vermutlich unterscheiden von den Auswirkungen auf die Gesundheit durch die Verkehrsbelastung, ist noch eine zu klärende Frage. Dies aufgrund der Anwesenheit von biologischen Agentien im Landwirtschaftsstaub einerseits, und dem Mangel an Wissen hierüber andererseits. Eine wichtige Schlussfolgerung ist hier bereits, dass Forschung über die gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub aus Tierställen dringend notwendig ist.

Es wurden deutliche Wirkungsbeziehungen gefunden für reduzierte Lungenfunktion, Verschlimmerung von Atemwegsbeschwerden und vorzeitiges Sterben vor allem wegen Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nichts zeigt in diesem Zusammenhang, dass es einen Schwellenwert gibt, unterhalb dessen keine Beschwerden auftreten.

Über die gesundheitlichen Auswirkungen der Belastung mit Feinstaub in ländlichen Raum wurde bislang wenig systematische Forschung betrieben. Über den möglichen Unterschied der Schädlichkeit zwischen ländlichem und städtischem Staub, oder die daran beteiligten Teilchen, ist daher so gut wie nichts bekannt. Zu betrachten wäre z. B. der Unterschied in den Partikeln, die im ländlichen Gebiet eine höhere Konzentration von Endotoxinen und infektiöser Mikroorganismen haben.

Einige Links zum Thema:

Deutsche Umwelthilfe  Luftverschmutzung durch die Landwirtschaft

Umweltbundesamt         Feinstaub

Umweltbundesamt         Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen

Umweltbundesamt         Ammoniak – Geruch – Staub

WDR Quarks & Co          Die Landwirtschaft als Feinstaubquelle Nummer 1

DIE ZEIT                                Feinstaub – Die unsichtbare Gefahr zum Lesen des sechs-teiligen-Berichts einfach kostenfrei anmelden