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Massentierhaltung oder besser gesagt, „Qual-Tierhaltung“. Grasende Kühe auf blühenden Wiesen vor Alpengipfeln. Grunzende Schweine im Schlamm. Freilaufende Hühner auf Bauernhöfen. Mit dieser ländlichen Idylle wird gerne für Milch- und Fleischprodukte geworben. Doch die Realität sieht für die meisten Nutztiere anders aus. Die Mehrheit der Millionen Tiere in Deutschland wird dicht an dicht in Ställen und Mastbetrieben aufgezogen.

 

 

 

Ein Wort vorab:
Es gibt keine offizielle Definition zum Begriff „Massentierstall“
Tierhaltung, die das normale Maß einer kleinbäuerlichen gemischten und artgerechten Viehhaltung übersteigt und die Tiere in großen Massen  nur unter betriebswirtschaftlicher Betrachtung möglichst schnell und kostengünstig für den Schlachthof mästet entspricht unserer eigenen Definition eines Massentierstalls.

 

Der Schweinemastbetrieb in Grafschaft-Esch mit knapp unter 1.500 Schweinen zählt für uns dazu, auch, wenn er angeblich nach modernsten Gesichtspunkten mit EU Fördergeldern errichtet wurde.

 

Deutschland ist der drittgrößte Fleischexporteur der Welt hinter den USA und Brasilien. Der Selbstver- sorgungsgrad mit Fleisch lag in Deutschland 2015 bei 122%. Vor zehn Jahren lag die Quote noch bei 99%. Dies geht aus einer Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums an die Fraktion der Grünen hervor.

 

Massentierhaltung für den Export und die Billigfleischtheken in unseren Supermärkten erzeugt ein Entsorgungsproblem von Gülle, Gärresten aus Biogasanlagen und Exkrementen aus der Geflügelzucht.

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Seit 2005 haben sich die Ausfuhren von Fleisch und Fleischwaren von 2,3 Millionen Tonnen auf vier Millionen Tonnen im Jahr 2015 fast verdoppelt. „Wir produzieren Fleisch für den Export und die Scheiße bleibt hier“! sagt BUND-Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger

 

 

 

In der Viehzucht in Deutschland vollzieht sich seit Jahren ein tiefgreifender Wandel. In den vergangenen 15 Jahren mussten bis zu 80% der Bauernhöfe ihre Tierhaltung aufgeben, weil sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Gleichzeitig stieg in dieser Zeit bundesweit die Fleisch- produktion um bis zu 50%. Große Produzenten beherrschen den Markt mit Dumpingpreisen, die durch Industrialisierung der Produktion ermöglicht werden.

 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte jüngst der Braunschweiger Zeitung:
„Im Sinne einer globalen Nachhaltigkeit müssen klimabegünstigte Regionen wie Mitteleuropa eher einen größeren Anteil zur Welternährung beitragen“.

Er unterstützt die Wachstumsstrategie (natürlich die der Lobby):
„In unserem exportorientierten Land trägt auch die Landwirtschaft zu Wohlstand und Arbeitsplätzen insbesondere im ländlichen Raum bei“. Der Preis, den die Tiere mit ihrem leidvollen Leben zahlen, lässt er unerwähnt. Das passt zur Aussage des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, der im Spiegel Interview 38-2015 unmissverständlich klar machte:   „Die Agrarwende wird nicht kommen“.

 

Wann endlich begreift auch die Bundespolitik, den Rat seriöser Fachleute ernst nehmen zu müssen?
Die Marktbeteiligten im Agrar- und Lebensmittelsektor haben nur ihre Gewinnstrategie vor Augen.

 

Megaställe in NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, sind mit Subventionen aus Steuergeldern und den Agrartöpfen der EU aus dem Boden gestampft worden.

 

Ein Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern mag die katastrophale Umweltbelastung verdeutlichen :

In der Schweinemast- und Sauenanlage in Losten bei Bad Kleinen, eine der größten Anlagen in MV und in ganz Deutschland, stehen 34.400 Schweine.

 

Bei voller Auslastung können alleine hier jährlich bis zu 100 Millionen Liter Gülle anfallen.
Diese gewaltige Menge muss auf Äckern und Grünland entsorgt werden. Eine Kläranlage, wie auch für menschliche Fäkalien ist nicht vorgesehen.

 

Inzwischen befinden wir uns in einem fatalen Kreislauf:
Große Bevölkerungsteile erwarten Billigfleisch. Die Auslagen in den Supermarkttheken wirken verlockend und diese geschönte Fleisch-Genuss-Welt verbirgt auf fatale Weise den nicht artgerechten Umgang mit den Tieren in der industriellen Fleischproduktion.

 

Masse statt Klasse.
Lebensmittelwertschätzung sinkt mit dem geringem Anspruch auf Qualität. Laut Fleischatlas 2014 des BUND und der Heinrich Böll Stiftung landen jährlich ca. 4 Mio. Schweine wegen Überproduktion oder gezielter Preissteuerung auf dem Müll.

Der Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, wird am 26.01.2016 im Hamburger Abendblatt bezüglich Wachstumsstopp von Mega-Ställen folgendermaßen zitiert: „Ab morgen Verbot von Wachstum auszusprechen, würde die Betriebe in den Ruin führen“.

 

 Was für eine fatale Gesetzgebung lässt diesen Wahnsinn zu?
Für uns Bürger eine unerträgliche Zumutung!

Der BUND fordert Bundesrat und Bundestag auf,
das aktuelle Umweltdumping auf Kosten des Trinkwasserschutzes zu stoppen und dafür Sorge zu tragen, dass Deutschland wieder EU-Niveau erreicht.

 

Wir klagen an:
Politiker, Agrarlobby, inter-/nationale industrielle Agrarwirtschaft, die Gier der Handelsspekulanten mit Grundnahrungsmitteln, Mäster, Züchter, Landwirte.
Schließlich auch unkritische und unsensible Billigfleisch-Verzehrer.

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Diesen ruft die Albert-Schweitzer-Stiftung zu:
„Selbst wenn Sie Fleisch mögen, können Sie Teil des Wandels werden, der Tierschutz mit Genuss vereint“.

 

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