Nitrat Ion

 

Was sind Nitrate?

Der Chemiker würde sagen: „Nitrat ist das Salz der Salpetersäure“.
Davon leitet sich für das Nitrat der früher bekannte Name Salpeter ab.

Chilesalpeter,       Natronsalpeter   (Natriumnitrat)
Bengalsalpeter,   Kalisalpeter           (Kaliumnitrat)
Kalksalpeter,         Mauersalpeter    (Calciumnitrat)

 

 

 

Der Stickstoff (N) ist ein Bestandteil des pflanzlichen und tierischen Eiweißes. Als solcher ist er DAS Leitelement organischen Lebens.

 

Die Pflanze nimmt den Stickstoff in Form von Salzen, vorwiegend Nitrate und Ammoniak, aus dem Boden auf und verwertet ihn zum Aufbau von Eiweiss. Durch die intensive, industrielle Landwirtschaft wird dem Boden stickstoffhaltige Substanz entzogen und damit wird der natürliche Kreislauf gestört. Dieses Defizit wird heute zu einem sehr grossen Teil mit Gülle ausgeglichen.

 

Der Stickstoff (N) ist in der Gülle teilweise an Ammoniak (NH3) gebunden. Ammoniak ist ein farbloses, stechend riechendes Gas und entweicht bei der Düngung zum Teil in die Atmosphäre. Diesen Anteil nehmen wir als Gestank wahr.

Man spricht von überschüssigem Nitrat, wenn für die Düngung die Güllemenge entweder falsch bzw. zu großzügig berechnet wurde, oder eine Fläche in kurzen Zeiträumen mehrfach gedüngt wurde. Fortschreitende Bodenversauerung ist die Folge mit nachfolgendem Artensterben der Bodenlebewesen. Überdüngung von Oberflächengewässern und Meeren belasten unsere Lebensgrundlagen.

 

Wie ein Düngebedarf im Sinne von „guter fachlicher Praxis“ ermittelt wird, beschreibt eine Anleitung der Landwirtschaftskammer NRW.

 

Ins Grundwasser gelangt das Nitrat, wenn eine Feldfrucht die Düngemenge nicht komplett aufnimmt und das Nitrat im Boden langsam versickert. Durch Auswaschung mit dem Regen kann es ebenfalls in das Grundwasser bzw. in Oberflächengewässer gelangen.

 

In der Natur gibt es einen natürlichen Stickstoffkreislauf. Diesen nennt man
„Bakterielle Nitrifikation“.
Darunter versteht man die Bildung (Umwandlung) von stickstoffhaltigen Stoffen in Nitrat durch bestimmte Bakterienarten. Durch Nitrifikation entsteht im Boden unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammonium Ionen (NH4+) über die Zwischenstufe Nitrit (NO2) das Nitrat (NO3).
Eingehender kann man es  hier  nachlesen.

 

Zwei Videobeispiele erklären auf einfache Weise den Stickstoffkreislauf.

Der natürliche Stickstoffkreislauf einfach erklärt:

 

Oder hier etwas umfangreicher erklärt:

 

 

Voraussetzung für einen hohen Ernteertrag ist u. a. die Düngung mit NITRAT und PHOSPHAT

Phosphat ist neben Kalium und Stickstoff einer der wichtigsten Nährstoffe in der Landwirtschaft. Er kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden und ist damit unverzichtbar für die weltweite Pflanzenproduktion. Phosphate kommen als Sedimente im Erdreich vor.

Eine wesentliche Rolle spielen dabei die mineralischen Phosphor-Dünger aus sedimentären Rohphosphaten, die bereits von Natur aus hohe Schwermetallgehalte aufweisen,vor allem Cadmium und Uran.

Der Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt hat dazu geführt, dass unsere exportorientierte Intensivlandwirtschaft mit Düngung und Pflanzenschutzmitteln (PSM) Hochleistungsäcker erzeugt. Sie haben nichts mehr gemeinsam mit naturnaher, traditioneller Landwirtschaft.

 

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Höchst bedenkliche Nebenwirkung ist dabei die hohe Nitratbelastung der Böden und aller „Grundwasserkörper“. Damit sind die Quellen gemeint, aus denen unser Trinkwasser entnommen wird.

 

 

Die  EU Nitratrichtlinie  legt einen Grenzwert von 50mg/l fest. Über 1/3 der Grundwasservorkommen (37%) in Rheinland-Pfalz liegen über dem EU-Grenzwert von 50 mg/l.

Grundwasser Meßstelle © Klaus Stotzem

 

Deutschland hat nach Malta die höchste Nitratverschmutzung des Grundwassers innerhalb der EU.

Nitrat im Grundwasser © Ulrich Hermanns

Als kritischen Wert gibt die EU 25 mg Nitrat/Liter im Grundwasser an, Deutschland 40 mg/Liter im Grundwasser. 43% der Grundwässer in Deutschland haben laut EU einen kritischen Nitratgehalt. Inzwischen hat die EU-Kommission ein offizielles Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, das fortlaufend gegen die EU „Wasserrahmenrichtlinie“ von Oktober 2000 verstößt.

 

Der Bundesregierung ist das Problem seit langem bekannt, wird dort aber genauso lange ignoriert.
Sie knickt ein vor der Macht der Lobby von Agrarindustrie und Landwirtschaftsverbänden. Fachleute und Wissenschaftler warnen schon seit vielen Jahren vor ernst zu nehmenden Folgen für unsere Gesundheit. Letztendlich haben wir es mit einer staatlich geduldeten Brunnenvergiftung zu tun.

Trinkwasserqualität unterhalb dieses Grenzwertes kann vielfach nur unter hohem Aufwand und Kosten durch Beimischung von Wasser aus tiefen Quellen erreicht werden.

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Nitratversickerung – Nitratauswaschung

Es dauert Jahre, bis das Nitrat ins Grundwasser gelangt. Je nach Bodenbeschaffenheit spricht man von einer Versickerungsgeschwindigkeit von bis zu 60 cm/Jahr. In Lössböden etwa 20 cm, in lehmigen Sanden etwa 30 cm und in Sandböden ungefähr 60 cm nach unten transportiert, abhängig von der Niederschlagsmenge, im Sommer weniger, auch da die Pflanzen im Sommer mehr Nitrat verbrauchen, jedoch im Winter mehr.

 

 

Nitrat selbst ist für Erwachsene nicht schädlich.
Darmbakterien jedoch verwandeln Nitrat zu Nitrit aus dem das krebserregende Nitrosamin entsteht.
Die Fakten sprechen eindeutig dafür, aber wie so oft versucht man mit Gegenargumenten diesen dringenden Verdacht zu entkräften.

Bei Säuglingen bis zum Alter von drei Monaten verändert sich der rote Blutfarbstoff Hämoglobin.
Dadurch ist der Sauerstofftransport gefährdet mit ernsten Folgen für das Kind.

 

Hier einige weiterführende Links zu Nitrat in Lebensmitteln:
Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
beschreibt, wie Nitrate in Pflanzen aufgenommen werden
und die zulässigen Höchstwerte zum Verzehr.

Fragen und Antworten zu Nitrat werden sehr umfangreich beim
Bundesinstitut für Risikobewertung -BfR- beantwortet.

Und das meint der Verband für unabhängige Gesundheitsberatung e. V. -UGB- zu Nitrat in Lebensmitteln.

 

Für die Landwirte ist Gülle ein äußerst preiswerter Stickstofflieferant und wertvoller Naturdünger, für die Umwelt jedoch eine sehr hohe Belastung.
Neben der Geruchsbelästigung der Bürger ist zu befürchten, dass die Kontrollbehörden aus Mangel an Mitarbeitern nicht regelmäßig und flächendeckend die Landwirtschaft und Mastbetriebe überprüfen können. Laut einem WDR Bericht werden z.B. nur 1 % der Betriebe im Oldenburger Land überprüft, so dass statistisch jeder Betrieb nur 1 X in 100 Jahren dran ist. In Rheinland Pfalz ist die Situation ähnlich. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mit Sitz in Trier und Zweigstelle in Koblenz kann nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung stellen.

 

Das Hamburger Abendblatt zitiert Prof. Friedhelm Taube von der Uni Kiel
Viele Betriebe bekämen den Umgang mit organischem Dünger nicht in den Griff. Mehr als zwei Drittel folgten nicht der sogenannten „guten fachlichen Praxis“. Sanktionen gegen sie seien derzeit kaum möglich.
„Wir haben ein massives regionales Problem“, meint Taube.

 

Das Umwelt Bundesamt sagt:
„Die größten Süßwasservorkommen liegen im Untergrund. Sie sind in vielen Regionen die wichtigste Quelle für die Wasserversorgung. Der Zustand des Grundwassers ist deshalb systematisch zu überwachen und der Eintrag von Schadstoffen so weit wie möglich zu verhindern“. Wir fordern ebenfalls für die Grafschaft eine strengere Kontrolle des Grundwassers und die Einführung eines Nitratkatasters. Sehr zu begrüßen wäre eine Kooperation zwischen der Wasserbehörde und Landwirtschaft.

Deutschland hat sich in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung schon für das Jahr 2010 vorgenommen, den Stickstoff-Bilanzüberschuss auf maximal 80 Kilogramm pro Hektar Land abzusenken. Der nationale Stickstoffbilanzüberschuss stagniert seit Jahren auf einem hohen Niveau und übersteigt mit 97kg N/ha im Mittel den Zielwert der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung um knapp 20kg N/ha. Dies ist ein Grund dafür, dass die Landwirtschaft in Deutschland mit 57 Prozent die größte Quelle für Einträge von reaktivem Stickstoff in die Umwelt ist.

Die ökologischen Auswirkungen der hohen Nährstoffeinträge -Eutrophierung- belasten heute fast flächendeckend Böden und das Grundwasser mit Nitrat.

 

Die Ammoniak-Emissionen tragen ebenfalls zur Bildung von gesundheitsschädlichem Feinstaub bei.
In der Gülle enthaltenes Ammoniak ist ein wasserlösliches Gas. Es ist als gasförmige Vorläufersubstanz an Feinstaubimmissionen beteiligt und kann sich mit Stickoxiden und Luftschadstoffen verbinden und somit die Feinstaubbildung verstärken.

In der WDR 3 Senderreihe  Quarks & Co  wird die aus der Landwirtschaft beeinflusste Feinstaubbildung sehr anschaulich erklärt.