Die intensive Viehzucht und die Gesundheit der Anwohner.

Unter den nachfolgenden Menüpunkten versuchen wir die möglichen Gesundheitsgefahren, die sich aus der irrsinnigen Entwicklung der industrialisierten Landwirtschaft ergeben haben, zu beschreiben. Ausnahmsweise erwähnen wir unter dem Aspekt der Gesundheit die viel diskutierte Nitratbelastung des Grundwassers und den intensiven Pestizideinsatz in dieser Abhandlung nicht, da wir beides schon unter NITRAT und Nitratbericht-2016 sowie Pflanzenschutz angesprochen haben.

 

 

 

 

Die intensive Viehzucht hat sich zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt. Der weltweit steigende Wohlstand erzeugt nebenbei, dass die „Fleischproduktion“ massiv in die Höhe getrieben wird. Eine Zunahme der Größe und Konzentration der Viehzucht ist die Folge in Regionen, die sich in einem Gürtel von Nordfrankreich über West-Flandern, den Niederlanden und weiter über Norddeutschland bis Dänemark erstrecken.

Erzeuger sehen sich häufig den Marktschwankungen bei Preisen und Nachfrage unterworfen mit der Folge, dass kleine Betriebe aufgeben und grosse aus Sicht der Betriebswirtschaft und Gewinnmaximierung mit Massenställen einen Mehrwert pro Vieheinheit zu erwirtschaften versuchen.

 

Dies mündet in einer globalen Industrialisierung der Viehzucht.
Bauer und Tier werden allmählich voneinander getrennt.
Der Landwirt wird Manager und das Tier ein Massenprodukt.

 

Die Intensivierung der Tierzucht macht Tiere anfälliger für Infektionen.

Durch genetische Selektion ist ein Küken innerhalb von 6 Wochen schlachtreif, bekommt eine Sau mehr Zitzen, um Junge zu säugen und gibt eine Kuh durchschnittlich 30 Liter Milch pro Tag (obwohl bereits von einen 87 Liter-Rekord berichtet wird). Die Konzentration der Tierzucht in vielen Regionen  -und der intensivere Transport-  sorgen für eine reibungslose Ausbreitung eventueller Infektionen zwischen den Ställen, auch über kontinentale Grenzen hinweg.

Es gab in der Vergangenheit

  • Fälle von Schweinepest, eingeschleppt durch importierte Zuchtsauen, infiziertem Fleisch oder Insemination
  • Diskutiert wird der mögliche Zusammenhang zwischen Massentierhaltung und der Entstehung der Vogelgrippe-Epidemie
  • Grosse Sorge bereitet das Nachlassen der Antibiotikawirkung durch massiven Einsatz und der dadurch entstehenden Resistenzen.


Immer lauter wird der Ruf nach einer gründlichen Debatte über die Gesundheitsrisiken für die anwohnende Bevölkerung der intensiven Tierproduktionsstätten mit ihren Hinterlassenschaften in Form von Gülle als Sondermüll.

 

Schweigen

Eine aktive öffentliche Debatte statt Beschwichtigungen aus der Politik zu den Gesundheitsrisiken ist dringend erforderlich. Die Politik ist gefordert. Offizielle Informationen sind knapp. Auf den Internetseiten der Ministerien sowie den Forschungseinrichtungen findet man teilweise nur fragmentarisches Material. Direkte Anfragen werden oft nur sehr allgemein beantwortet.

 

Eine Agrar-Recherche von CORRECTIV beschreibt den   Irrsinn der Agrarpolitik   sehr anschaulich.


 

Die Landwirte an einem Scheideweg
Das „goldene Zeitalter der Kleinbauern“ ist scheinbar für immer vorbei. Der Markt will billiges und hygienisch einwandfreies Fleisch (Milch / Eier), die Gesellschaft will eine gesunde Umwelt. Der Bauer wird von dem Verbands-Credo überzeugt „Wachsen um zu Blühen“. Auf der anderen Seite sieht man aber den Mehrwert seiner Produktion durch eine Anhäufung von Investitionskosten wegschmelzen. Und dann werden auch noch die dringend benötigten Umwelt- und Tierschutzstandards nicht erfüllt.

 

Das System ist krank!

 

Niederlande als Vorreiter
Auf Initiative des Niederländischen Staats und die Leitung des Nationalen Institut für Gesundheit und Umwelt (RIVM), begannen die Universitäten von Utrecht, Wageningen und das Niederländische Institut für Gesundheitsforschung und Umwelt (NIVEL), eine groß angelegte Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft auf die Anwohner. Dies geschah im Jahr 2014. Die vorläufigen Ergebnisse wurden Ende 2016 veröffentlicht.

 

Allerdings sind diese Ergebnisse nicht ganz zufriedenstellend wie die Niederländische Umwelt-Gesellschaft mitteilt,
da die YOPI Gruppe (Young, Old, Pregnant and ill) nicht spezifisch als Zielgruppe aufgenommen wurde.
Aber tatsächlich genau die Gruppe ist es, die am meisten gefährdet ist.
In den letzten Jahren wurden durch den Niederländischen Staat bereits Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit auf der Grundlage der Zwischenergebnisse und Befunde der verschiedenen Untersuchungen vorgenommen.

 

Es bedarf auch keiner Erläuterung, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse, die Sorge in den Niederlanden, bei den Westflämischen Nachbarn und in Deutschland weiter steigt.

 

In der Rangliste der Anzahl Schweine pro km², steht z. B. West-Flandern weltweit an der Spitze schweinefleischreicher Regionen. Im Durchschnitt liegen hier zwei Schweinebetriebe, 450 Meter voneinander entfernt, und die Provinz verfügt über einen Selbstversorgungsgrad von 708%  im Jahr 2014. Man kann wohl von einer „abnormalen“ Situation sprechen.

 

„Intensive Tierhaltung“  -viele Tiere auf kleiner Fläche-  bedeutet, dass die Tiere auf einer Nicht-artgerechten-Weise gezüchtet werden. Die Auswirkungen des Systems bereiten uns grosse Sorgen.

 

Bedenken in der Umgebung:
Wo viele Tiere zusammen leben und viele (internationale) Transporte zusammenkommen, entsteht nicht nur ein höheres Risiko für den Import und die Verbreitung von Krankheiten, sondern durch bestimmte Umstände (genetisch, Stallhygiene, Unterkunft, Tierschutz, …) kann auch eine geschwächte Immunität entstehen.

 

So werden Tiere anfälliger für Krankheiten und es führen Infektionen auch schneller zu Epidemien. Das diese Infektionen und Epidemien auch immer mehr Auswirkungen auf den Menschen haben können, muss zu einiger Beunruhigung führen.

 

Signale, dass immer mehr nicht-behandelbare Bakterien, Viren und Schimmelpilze im Umlauf sind, die möglicherweise zu Krankheiten führen und sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit bei der u.a. schwächeren YOPI-Gruppe nehmen zu. Jemand kann zum Beispiel gerade von Krebs geheilt sein, aber zum Beispiel an einem „banalen“ resistenten Schimmelpilz oder an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Staphylokokken sterben .Immer mehr Studien deuten auf eine Verbindung zwischen intensiver Viehzucht und der Dichte des Auftretens von resistenten Bakterien hin.

 

Es ist anzunehmen, dass das reduzieren von Ammoniak auch eine Reduzierung von Feinstaub bedeuten würde. Allerdings verfügen die kleineren, vielfach alten Ställe, noch nicht über die Techniken, um, zum Beispiel Feinstaub aus den Emissionen zu reinigen. Die Entfernung von bestimmten Stall Emissionen (wie Ammoniak und Feinstaub) bieten noch keine Garantie zur Beseitigung von möglichen Infektionsquellen und außerdem ist der Stall nicht die einzige Ursache. Weitere Ursache sehen wir in der massiven Düngung der Felder und des Grünlands mit Gülle.

Es ist auch ein offenes Geheimnis, dass z. B. Luftwäscher-/filteranlagen nicht immer, z. T. auch gar nicht richtig funktionieren, und deshalb dann auch nicht als DIE Garantie für gereinigte Luft gelten können. Indirekt können auch die Folgen der massiven Produktion von Mais (im Dienste der intensiven Viehzucht), in den Auswirkungen auf die Anwohner einbezogen werden.

 

Die Sorge um die Mitarbeiter und deren Familien
Es liegt nahe, dass alle Menschen, die in intensiven Viehzucht Gebieten leben, potenzielle Anwärter sind für Zoonosen, das sind Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können.

 

Die Nationale-Forschungsplattform-für-Zoonosen gibt hierzu folgende Definition

Bestes Beispiel sind Untersuchungsergebnisse bei Landwirten oder Hilfskräften in der Landwirtschaft. Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit MRSA-Risikogruppen erstellt. Vorne mit dabei: Landwirte und Tierärzte. Außerdem zeigen die Untersuchungen, dass bei Menschen in Regionen mit hoher Tierdichte resistente Keime häufiger vorkommen.

 

Die Menschen können nicht nur Träger einer Infektion sein-und auch körperliche Folgen davon tragen, sondern sie können Infektionen auch von Mensch zu Mensch weitergeben oder durch Kontakte in der Gemeinschaft vom Mensch zum Tier übertragen. Bis zu 30% der Arbeitnehmer in der Viehwirtschaft leiden unter Atemwegsproblemen. Diese äußern sich durch Husten, Auswurf, Atemnot, sowie Schüttelfrost und Fieber.

 

Wir fordern öffentliche Untersuchungen in großem Maßstab und koordinierte Maßnahmen in der Folgeabschätzung. Eine Lücke im Wissen über die Auswirkungen der intensiven Viehzucht und der massiven Düngung mit Gülle auf die Gesundheit der Anwohner muß dringend geschlossen werden. Dies ist eine unserer Kernforderungen.

 

Wir fordern Bundesregierung und Landesregierungen daher dringend auf, folgende Aspekte zu untersuchen und die Ergebnisse in bestehende Untersuchungen zu integrieren:

  • Grad der Belastung in der Umgebung von intensiver Viehproduktion an erhöhter Konzentration von Sekundär- und von Partikelsubstanz (Feinstaub), Endotoxinen und anderen Krankheitserregern und die Art der Mikroorganismen ist zu klären.

 

  • welche Mikroorganismen und Krankheitserreger werden in Regionen mit Viehzuchtbetrieben (kumulativ) ausgestossen und können in der Umwelt zu finden sein?

 

  • das Verhältnis zwischen Viehzuchtbezogener Belastung mit Antibiotika-resistenten Mikroorganismen (z.B. MRSA ST398, ESBL-produzierende Bakterien und Clostridium difficile) und Träger dieser Mikroorganismen bei Bewohnern und Nachbarn von Viehzuchtbetrieben klären.

 

  • das Verhältnis zwischen (indirekt) viehzuchtverwandten Pestiziden (Azole, Anthelmintika, Desinfektionsmittel, …) und Trägerschaft von resistenten Mikroorganismen bei Bewohnern, Angestellten und Nachbarn von landwirtschaftlichen Betrieben klären.

 

  • die Beziehung zwischen Unterschieden in der Lungenfunktion, Atemwegsbeschwerden und die Verwendung von Atemnot-Medikamenten in einem bestimmten Zeitraum, und die Unterschiede in der Belastung gegenüber den Komponenten aus der Viehzucht bei einer Gruppe von Personen mit Asthma oder COPD untersuchen.

 

  • die gesamten Gesundheitskosten von intensiver Viehzucht auf Kreis-, Landes- und Bundesebene und eine umfassende Überwachung der Gesundheits- und Sterblichkeitsunterschiede zwischen Intensivtierhaltung, urbane, Wald- und landwirtschaftlich genutzten Flächen untersuchen.

 

  • die Verbreitungswege, durch welche die Anwohner, aber auch die Verbraucher, direkt und indirekt belastet werden, einschließlich der Rolle von Feinstaub-Partikeln darin untersuchen.

und:

  • Einrichtung eines Überwachungsnetzes um die gestellten Forschungsfragen zu unterstützen und ständig zu beobachten.

 

  • die Veröffentlichung der Ergebnisse und Diskussion in den Kommissionen Landwirtschaft, Fischerei, ländliche Wohnumwelt, Natur, Raumordnung, Energie und Tierschutz, sowie auch die föderale Kommission für Gesundheit, Umwelt und soziale Erneuerung.

 

  • die Koordinierung des sozialen Dialogs, einzuleiten über die Verwendung der öffentlichen Mittel für die Intensivierung der Viehzucht, die sozialen Kosten und Nutzen davon und die möglichen Alternativen zu umfassen.

 

Wir sind überzeugt, dass trotz der räumlichen Verflechtung zwischen Viehzucht und Wohnen es doch für die Menschen möglich sein muss, transparente Informationen über die Risiken einer Infektion zu erhalten.

Darüber hinaus hat die Regierung bis hinab zu den öffentlichen Verwaltungen die Pflicht, Antworten auf diese Herausforderungen zu liefern in Bezug auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Bewohner.

Als Ziel sehen wir einerseits, Informationen über die Risiken zu erhalten, aber auf der anderen Seite auch eine Debatte über Tierhaltung, Umwelt und Gesundheit in Gang zu bringen. Dies mit Offenheit und Respekt gegenüber den Landwirten, wobei wir die schwierige Situation für den „kleinen“ Viehhalter sicherlich nicht unterschätzen. Es sind immerhin in erster Linie die Bauern selbst und ihre Umwelt, die das Opfer von möglichen arzneimittelresistenten Infektionen sein können.

 

Verbreitung

Die Verbreitung von (Sekundär) Feinstaub, Endotoxine und Mikroorganismen tritt nicht in konzentrierter Weise auf, sondern diffus, durch die Verbreitung u. a. aus Ställen und Viehtransporten, die Verwendung von tierischem Dünger über große Entfernungen und Flächen, Gülletransport, Oberflächenwasser,…

Durch verschiedene Prozesse in der Produktionskette (von Futtermitteln bis Gülle), werden diese Materialien und Erreger in die Umwelt freigesetzt.

Jede Substanz hat die Fähigkeit, sich durch die Luft, dem Boden oder das Wasser zu verbreiten und dies über unterschiedliche Entfernungen.

Es besteht die eventuelle Fähigkeit, sich zu verbreiten oder mit anderen Stoffen zu reagieren. Darüber hinaus können diese Stoffe auch selber mutieren, durch den großflächigen Einsatz von verschiedenen Pestiziden, Antibiotika, Desinfektionsmittel, oder Austausch von Genen (horizontaler Gentransfer).

 

Dieses komplexe Spiel schafft schließlich auch ein komplexes Problem.

 

Wir erheben nicht den Anspruch, alle Aspekte ausführlich zu beschreiben, haben aber sehr wohl die Absicht, das Thema zur Diskussion in die Öffentlichkeit zu bringen.