Die Verteiltechnik der Landmaschinenbauer zur Gülleausbringung wird immer effizienter. Ziel ist es, den Nährstoffverlust durch gasförmige Verdunstung des Ammoniaks, das an den der Stickstoff chemisch gebunden ist, sowie Emissionen in die Umwelt weitestgehend zu vermeiden.

 

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen

oberflächlicher Ausbringung
und
Ausbringung mit direkter Einarbeitung (Injektion) in den Boden.

Eine fehlerhafte Arbeitsweise, die gegen die Vorgaben der Düngeverordnung verstößt, kann von der Aufsichtsbehörde mit einem Bußgeld geahndet werden.

 

Oberflächliche Ausbringung:
Erfordert in bestimmten Fällen das unmittelbare Einarbeiten der Gülle innerhalb von 4 Stunden  Vier-Stunden-Regel laut Düngeverordnung.  Diese Regel findet nur Anwendung auf abgeernteten Ackerflächen oder auf Flächen, die erst im Frühjahr für die Aussaat vorbereitet werden. Nährstoffverlust durch gasförmige Verdunstung von Ammoniak und der damit verbundenen Geruchsbelästigung und Feinstaubbildung werden dadurch verringert.

Ausnahmeregelungen lassen die Einarbeitungspflicht entfallen auf:
Weideflächen, Heuwiesen, Kopfdüngung der Wintereinsaaten wie Raps, Getreide, Gründüngung zur Bodenverbesserung, Greeningmaßnahmen auf Flächen mit Zwischenfruchtanbau oder Gründecke, die als Ökologische Vorrangflächen (ÖVF) ausgewiesen werden.

 

Eine oberflächliche Ausbringung hat zur Folge, dass es widerlich stinkt, vor allem bei Temperaturen oberhalb 25°C und Trockenheit.
Im Falle der Einhaltung der „Vier-Stunden-Regel“ oder, wenn sofort eingearbeitet wird, fällt die Geruchsbelästigung etwas schächer aus.
Bei Ausbringung auf Grünland bzw. bei Kopfdüngung stinken die Fäkalien länger andauernd.

 

Fotobeispiele von oberflächlicher Ausbringung:

 

Es gibt verschiedene Techniken zur oberflächlichen Gülleausbringung:

  • Prallkopfverteilung, Zulassung auf Ackerland bis 2020 und Grünland bis 2025
  • Schwenkverteilung, Zulassung auf Ackerland bis 2020 und Grünland bis 2025
  • Schleppschlauchverteilung
  • Schleppschuhverteilung

 

Prallkopfverteilung (Breitverteilung)
Mit zentralem Prallteller und Verteilung der Gülle nach unten. Beispiele hierzu sind unter folgenden Links zu sehen:
Schwanenhals  und   hier   auch als YouTube Video.

 

In § 6 der Düngeverordnung werden folgende Vorgaben gemacht:
„Flüssige organische und flüssige organisch-mineralische Düngemittel, einschließlich flüssiger Wirtschaftsdünger, mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff dürfen im Falle von bestelltem Ackerland ab dem 1. Februar 2020 nur noch streifenförmig auf den Boden abgelegt oder direkt in den Boden eingebracht werden. Im Falle von Grünland, Dauergrünland oder mehrschnittigem Feldfutterbau gelten die Vorgaben ab dem 1. Februar 2025„.

 

Prallteller mit Gülleverteilung nach oben ausgerichtet, sind seit 01.01.2016 verboten.

 

Schwenkverteilung (Breitverteilung)
Unter Schwenkverteilung versteht man die Verteilung der Gülle mit einem Verteilerkopf, der die Gülle durch Links- Rechtsbewegung je nach Technik zwischen 15 m – 18 m Breite verteilt. Ein sogenannter Duoverteiler verteilt bis zu 21 m Breite. Als problematisch wird der Einsatz in der Nähe zu Gewässern gesehen. Mindestens drei Meter Abstand sind gefordert. Ein Video bei YouTube siehe   hier
Der Hersteller Möscha GbR gibt folgende Beschreibung

 

Schleppschlauch Verteilung
Mit dem Schleppschlauch wird die Gülle bodennah verteilt, erkennbar an den Streifen auf dem Ackerboden. Der Schlauch endet ca. 10 cm oberhalb des Bodens. Die Ausflussmenge wird im hochmodernen Schlepper am Bordcomputer je nach Düngebedarf eingestellt. Per GPS gesteuert, zieht der Schlepper exakt seine Bahn über die Ackerfläche. Das Gestänge kann bis zu 33 m breit sein. Abstand zu Gewässern muß mindestens ein Meter betragen. Bei leichtem Gefälle zum Gewässer sollte der Landwirt sicherheitshalber mehr Abstand halten.

 

Schleppschuh Verteilung
Der Schleppschuh, hier bei der  Landwirtschaftskammer NRW  näher erklärt, kommt vorwiegend auf Grünland zum Einsatz. Ausgestattet mit leichten Schlitzschuhen werden im Grünland oder Getreide Pflanzen zur Seite gekämmt. So kann die Gülle direkt am Boden und unter den Blättern abgelegt werden und die Pflanze wird kaum verschmutzt. Auch auf Ackerböden kann der Schleppschuh eingesetzt werden. Dabei wird der Boden mit einer Kufe oder Schlitzscheibe leicht angeritzt und die Gülle wird unmittelbar auf dem Boden in einer schmalen Rille abgelegt. In diesem  Download bei Topagrar  wird die Technik grafisch dargestellt.

 

Zur direkten Einarbeitung der Gülle  -Injektion- gehören:

  • Scheibeninjektor  -Injektorschlauch kombiniert mit Scheibeneggen-  siehe Fotos unten
  • Güllegrubber  -Injektorschlauch kombiniert mit Grubber-
  • Grünlandinjektoren  -eine spezielle Kombination von Scheibenegge mit Schleppschuh-

 

Der Scheibeninjektor gilt als die teurere Variante für den Landwirt. Die Vier-Stunden-Regel entfällt.Vorteil ist ein verminderter Nährstoffverlust durch reduzierte gasförmige Verdunstung. Für die  Kopfdüngung  ist die Injektionstechnik ungeeignet, da sie die aufwachsende Feldfrucht zerstören würde. Diese neuere Verteiltechnik injiziert die Gülle in einer Arbeitstiefe von bis zu 10 cm und deckt die Gülle in einem Arbeitsgang sofort wieder mit Erdreich zu. Verluste durch Verdunstung sowie Immissionen in die Umwelt werden damit fast ausgeschlossen. Die erste Scheibenreihe öffnet den Boden, dahinter befinden sich die Gülleausläufe, schließlich wird die Gülle mittels der zweiten Scheibenreihe mit Erde abgedeckt. Fachleute und Umweltverbände fordern für die Novelle der Düngeverordnung, nur noch den Einsatz dieser Techniken zuzulassen. Einer der führenden Hersteller -Zunhammer- bietet in Bezug auf die Einhaltung von Vorschriften mit  VAN-CONTROL 2.0  auch die Messung der Inhaltsstoffe der Gülle online im Tankwagen.Dokumentiert werden  N + P + K + TM. Damit können Überschußmengen verhindert werden.

 

Das Bildungszentrum Triesdorf veranstaltet jährliche „Gülletage“ zur Information für die Landwirte.
Die 56-seitige Broschüre vom Gülletag 2016 gibt interessante Einblicke und Informationen.